Zwischen den Jahren
„Endlich sind sie weg“, denke ich und lasse mich erschöpft auf mein Sofa fallen. Nach den Feiertagen mit der Familie gleicht meine Wohnung einem Trümmerfeld. Überall liegt Geschenkpapier herum, die vielen Schuhe haben den Schneematsch gleichmäßig im Flur verteilt und die Küche schaut höchst verdächtig nach einem Tatort aus. Und alle Jahre wieder frage ich mich, warum in der Kirche „Stille Nacht“ gesungen wird. Zumindest bei mir ist Weihnachten selten ruhig. Ganz im Gegensatz zu den Tagen danach.
Diese Tage nach Weihnachten haben sogar einen eigenen Namen: „Zwischen den Jahren“ heißen sie. Und nicht nur der Name ist seltsam – auch die Tage sind es. Denn irgendwie scheint es sie gar nicht wirklich zu geben. So zwischen altem und neuem Jahr sind sie irgendwie zeitlos. Und ideal um all die Freunde und Bekannten zu treffen, für die man über die Weihnachtstage keine Zeit gehabt hat. Den geflügelten Satz: „Ach, wir treffen uns mal zwischen den Jahren“, den haben Sie sicher schon einmal gehört. Aber: trotz aller guten Vorsätze finden diese Treffen so gut wie nie statt. Und wenn ich nach dem ganzen Weihnachtstrubel ganz ehrlich bin: Gott sei Dank tun sie das nicht.
Zwischen den Jahren, das sind Tage, die es eigentlich gar nicht gibt. Aber genau das finde ich richtig faszinierend. Und genau das finde ich sogar richtig gut. Ich darf mich einfach mal hinsetzen. Durchatmen. Kraftschöpfen. Und langsam dem Chaos in meiner Wohnung Herr werden. Eine kurze Verschnaufpause, bevor es im Neuen Jahr dann weitergeht.