Zu gut für mich!
„Du bist zu gut für diese Welt!“ – Kennen Sie diesen Satz? Meistens ist er ein Kompliment, manchmal ein Seufzer.
Aber ich habe einmal eine Variante davon gehört, die mich bis heute erschüttert.
Ich war mit einer Religionsklasse in einer Kirche. Bevor die Kinder losrennen durften, sollten sie den Raum erst einmal ganz still auf sich wirken lassen. Die Ruhe, das Licht, diesen besonderen Geruch. Danach haben wir die Eindrücke gesammelt. „Schön“, sagte eine Schülerin. „Irgendwie heilig“, ein anderer.
Und dann meldete sich ein elfjähriger Junge. Ein Junge, der in der Schule eigentlich nur als „Störenfried“ bekannt war. Er provoziert, er eckt an, er macht ständig Ärger. Aber in diesem Moment war er ganz ernst. Er sagte:
„Dieser Raum ist irgendwie… zu gut für mich.“
In diesem Moment habe ich mich geschämt. Ich hatte vorher nämlich ernsthaft überlegt, ob man diesen schwierigen Schüler überhaupt mit in die Kirche nehmen kann.
Auf dem Rückweg bin ich neben ihm gegangen. Ich musste ihm einfach antworten. Ich habe gesagt: „Weißt du, was du vorhin gesagt hast, das geht mir nicht aus dem Kopf. Aber ich will dir eines sagen: Dieser Raum ist nicht zu gut für dich. Du bist gut genug für jeden Ort auf dieser Welt.“
Vielleicht brauchen wir das alle ab und zu: Jemanden, der uns daran erinnert, dass kein Ort zu heilig und keine Schwelle zu hoch für uns ist. Dass wir genau so, wie wir sind, dazugehören.