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Zu groß?

Wirklich hübsch, das Jäckchen, das meine Frau vor einiger Zeit für ein Baby in unserer Verwandtschaft gekauft hat. „Gefällt’s dir?“, fragt sie mich. „Klar“, sage ich. „Süß. Aber – ist es nicht ein bisschen zu groß?“ „Dummkopf“, sagt meine Frau. „Das muss zu groß sein. Wenn‘s genau passt, ist es in ein paar Wochen zu klein. Das Baby wächst da rein!“

Ehrlich gesagt habe ich meine Frau im Verdacht, dass sie, nur um mir die Wahrheit ihrer Erkenntnis zu demonstrieren, mein Lieblingssakko hat enger machen lassen. Wär‘ nicht nötig gewesen. Ich hab’s auch so verstanden: Manches muss zu groß sein, damit man reinwachsen kann.

Das gilt nicht nur für Kinderklamotten.

Wie groß denken wir von dem neuen Jahr, das nun begonnen hat? Wie groß sind unsere Erwartungen? Sind wir zufrieden, wenn’s nicht schlimmer wird?

Ich habe einen Vorsatz fürs neue Jahr: Groß denken. Alles erwarten. Für die Beziehungen, in denen ich lebe; für meine Arbeit. Groß denken auch in Politik und Gesellschaft. Mit weniger als Frieden und Gerechtigkeit will ich nicht zufrieden sein. Natürlich weiß ich, dass das zu groß ist. Muss es auch sein, damit wir reinwachsen können. Auch für die Politik gilt: Wenn wir alles immer so zurechtschneidern, dass es für den Augenblick passt, ist es ganz schnell auch wieder zu klein.

Groß denken. Gott tut das auch. Das biblische Motto der Kirchen für das neue Jahr heißt: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu“. Größer kann man nicht denken. Da ist reichlich Raum, reinzuwachsen.