Zerbrochenes Porzellan
Gestern ist mir meine Lieblingstasse heruntergefallen. Sie wissen schon: diese eine Tasse, bei der am Rand schon ein Stück fehlt, bei der der Aufdruck nach tausend Runden in der Spülmaschine nur noch zu erahnen ist – und die man trotzdem Tag für Tag für den ersten Kaffee auswählt. Aber: Ein Missgeschick – und plötzlich bleiben nur noch Scherben übrig. Ich? Eher geknickt.
Eigentlich komisch. An Tassen im Schrank mangelt es ja nicht. Und besonders teuer war diese auch nicht. Aber manche Dinge bekommen ihren Wert nicht durch den Preis, sondern durch die Geschichte. Diese Tasse hab’ ich mal von einem sehr lieben Menschen geschenkt bekommen. Und während ich noch das Schlammassel auffege, habe ich plötzlich keine Scherben mehr in der Hand – sondern Erinnerungen. An gemeinsame Abende, an Gespräche, an die kleinen Momente, die man gar nicht plant, die aber bleiben. Alles Dinge, an die ich schon ewig nicht mehr gedacht habe. Aber die mich gerade jetzt zum Lächeln bringen.
Und dann habe ich einfach zum Hörer gegriffen. Nicht um über die Tasse zu klagen – sondern um genau diesen einen Menschen anzurufen und spontan auf einen Kaffee zu verabreden. Einfach so. Weil Scherben nicht nur ärgerlich sind – sondern auch wirklich Glück bringen können.