Beiträge

Wer nichts weiß muss alles glauben

„Wer nichts weiß, muss alles glauben.“ Mit diesem Zitat der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach versuche ich meine Schülerinnen und Schüler gelegentlich zum Lernen zu motivieren. „Ohne ein Mindestmaß an Bildung kann euch jeder ein X für ein U vormachen“, sage ich ihnen. „Dann glaubt ihr auch, dass Pendeln gegen Krebs hilft, Scientology das Beste für die Menschen will und Deutschland von einer Ausländerflut überschwemmt wird. Es muss euch nur einer gut genug verkaufen.“

„Na ja“, sagt ein Schüler, „das mit den Ausländern stimmt ja schon. Die sind ja jetzt schon mehr als die Hälfte. Das weiß man ja.“ „Nee“, antworte ich, „das glaubst du nur; weil du’s glauben möchtest oder weil jemand möchte, dass du’s glaubst.“ Ausnahmsweise erlaube ich den Schülern, die Handys zu zücken und im Internet zu recherchieren. Auf der Seite des Statistischen Bundesamtes erfahren wir, dass in Deutschland knapp 10 % Ausländer leben. Zusammen mit den Deutschen, die einen Migrationshintergrund haben, etwa 21%. Von wegen mehr als die Hälfte.

„Das sind aber auch viele“, sagt der Schüler. „Darüber können wir jetzt diskutieren“, sage ich. „Aber wir werden anders reden, wenn wir wissen, wovon wir reden. Wer nichts weiß, muss eben einfach alles glauben. Und das ist gefährlich.“

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Das steht schon in der Bibel. Im Alten Testament heißt es: „Weisheit erwerben ist besser als Gold und Einsicht erwerben edler als Silber (…) Wer Klugheit erwirbt, liebt sein Leben; und der Verständige findet Gutes.“ (Spr 16,16 & 19,8)