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Warum ich nicht mehr glaube

Ein Kollege drückt mir ein Buch in die Hand und sagt: „Lies das mal. Das verdirbt dir die Laune.“

Ich schaue auf den Titel: „Warum ich nicht mehr glaube – wenn junge Erwachsene den Glauben verlieren.“

Acht junge Menschen erzählen darin ihre Geschichte. Sie berichten von Enttäuschungen, Zweifeln und Fragen, auf die sie keine Antwort gefunden haben. Schritt für Schritt haben sie ihren Glauben verloren.

Beim Lesen denke ich: Ich kenne die alle!

Es gibt viele Gründe, warum Menschen nicht mehr glauben. Manchmal liegt es nicht an den Eltern oder an der Kirche. Aber oft genug eben doch.

Ein Satz aus dem Buch lässt mich nicht los: „Die Christen sind gar nicht so, wie sie singen.“

Und ich muss zugeben: Da ist etwas dran.

Auch ich versuche manchmal, frommer zu wirken, als ich bin. Ich spiele eine Rolle, verstecke meine Zweifel und Schwächen – sogar im Gottesdienst.

Aber Theater weckt keine Sehnsucht nach Gott.

Die jungen Menschen in diesem Buch stellen mir eine unbequeme Frage: Warum habe ich nicht den Mut, einfach Mensch zu sein – mit meinen Ecken und Kanten, meinen Fragen und meinem Scheitern?

Ich glaube, dass gerade darin die Chance für Glauben liegt. Nicht in einer perfekten Fassade, sondern in Ehrlichkeit.

Denn ein Glaube, der trägt, muss nicht makellos sein. Er darf fragen, zweifeln, suchen und trotzdem vertrauen.

Und genau so ein Glaube kann Mut machen, befreien und Geborgenheit schenken.