Beiträge

Warten

„Bitte warten sie – Bitte warten sie!“ Warten muss ich andauernd: In der Telefonwarteschleife. Auf den Anschlusszug. Auf die Bedienung. An der Baustellenampel. Und gestern saß ich eineinhalb Stunden im Wartezimmer – trotz Termin. Da frage ich mich schon: Wozu gibt es denn Termine? Meine Lebenszeit ist mir eigentlich zu wertvoll.

Warten macht etwas mit mir. Ich fühle mich ausgebremst. Manchmal sogar ausgeliefert. Erst kommt die Ohnmacht. Dann der Ärger. Und wenn ich Pech habe, wird daraus sogar Wut.

Jede und jeder von uns verbringt im Laufe seines Lebens statistisch gesehen so um die 274 Tage mit Warten.

Ich werde das Warten nicht abschaffen können. Aber ich habe mir vorgenommen, besser damit umzugehen. Wie kann ich die Zeit sinnvoll nutzen, ohne mich ständig zu ärgern? Das mache ich so: Ich greife nicht direkt zum Handy, ich schaue mich bewusst um. Ich beobachte Menschen. Ich denke mir Geschichten zu ihnen aus. Ich strukturiere die Wartezeit in kleinere Einheiten. Oder ich nehme ein Buch mit. So bekommt die Wartezeit einen Sinn. Und ich trainiere Geduld.

Ein Satz hilft mir dabei besonders: Ich verschwende gerade nicht mein Leben, ich lerne nur, eine Verzögerung auszuhalten. Das gelingt nicht immer. Aber immer öfter. Und das Warten fühlt sich plötzlich ein bisschen kürzer an.