Übergang
Bei Geburten gibt es eine Phase, die man Übergangsphase nennt. Als Hebamme durfte ich diesen spannungsvollen Moment schon oft miterleben. Die Übergangsphase ist die Zeit, kurz bevor die Presswehen einsetzen. Die Frau ist erschöpft, der anstrengende, längste Teil des Geburtswegs liegt bereits hinter ihr. Der Übergang ist kraft- und schmerzvoll und die Frau glaubt meist auf tiefster Überzeugung, dass sie die Geburt nicht durchstehen wird. Sie denkt, dass sie keine weitere Wehe ertragen kann, sie will aufgeben. Sie ist sich sicher, dass sie nicht heil aus dieser Situation herauskommen wird.
Für uns Hebammen ist diese Phase etwas ganz Besonderes. Wir wissen: Sie hat es bald geschafft. Sie wird es schaffen, auch wenn sie nicht mehr daran glaubt. Und wir wissen, der Übergang ist nicht nur körperlich, sondern existenziell: Nicht nur ein neuer kleiner Mensch wird geboren werden, sondern auch die Frau wird nie wieder der Mensch sein, der sie vorher war. Und so begleiten wir in das neue Menschsein hinein.
Übergänge sind Momente voller Spannung, Freude und manchmal auch Schmerz. Übergänge ins Leben hinein. Aus einer Lebensphase in die nächste. Und auch Übergänge aus diesem Leben heraus. Ein Abschied von etwas Altem – in das neue, Unbekannte. Begleitet von jemandem, der oder die weiß: Wir werden es überstehen und als etwas ganz Neues aus diesem Übergang hervorgehen.