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Trotzdem einsam

Gerade ruft mich eine Freundin an. Ihre Stimme klingt völlig ernüchtert. Sie erzählt mir von ihrem typischen Feierabend: Sie und ihr Freund sitzen auf der Couch, eine Netflix-Serie läuft. Klingt eigentlich gemütlich. Die Realität sieht aber anders aus. Beide starren parallel in ihr Smartphone. Als sie versucht, ein Gespräch aufzubauen, erntet sie nur ein gemurmeltes „Hhm“.

Sie sagt einen Satz zu mir, der hängenbleibt: „Ich fühle mich komplett einsam, obwohl wir zusammen im selben Raum sind.“

In der Psychologie heißt das „uneindeutiger Verlust“. Der Partner ist zwar physisch da, aber mental meilenweit weg. Beim Essen will er seine Ruhe, vorm Fernseher blockiert das Handy.

Anstatt zu resignieren, überlegen wir gemeinsam: Was kann sie an der Situation ändern? Und plötzlich fallen ihr ganz viele Ideen ein. Sie wartet nicht mehr passiv ab, sondern wird aktiv. Ein Spaziergang ohne Smartphones oder ein festes Date außerhalb der Wohnung.

Miteinander zu sprechen ist die Grundvoraussetzung, um ein Miteinander zu fühlen.

In solchen Momenten hilft mir persönlich auch mein Glaube. Gott ist für mich ein Gegenüber, das immer zuhört, wenn ich mich nicht gehört fühle. Und auch meine Kirche bietet eine Chance: als analoger Schutzraum ohne Smartphones und Gemeinschaft. Aber auch zum Beispiel bei Paarseminaren, wenn es die Offenheit beider dafür gibt.

Einsamkeit hat leider viele Facetten – und sie findet eben auch an ungewöhnlichen Orten statt, trotz scheinbarem Glück. Aber es gibt gute Wege daraus. Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich gerne an die Telefonseelsorge.