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Taube

Ein Mann beschwert sich bitterlich: Immer, wenn er den Max-Ophüls-Platz in der Saarbrücker Innenstadt betritt, dann wird er erwartet. Von einer Taube. Diese Taube fliegt dann – so erzählt er – ganz genau eine Runde über den Platz, und genau, ganz genau über ihm, kacke sie ihm auf den Kopf. „Platsch!“

„Das ist gemein von der Taube“, klagt der Mann, „ausgerechnet, wenn ich über den Max-Ophüls-Platz gehe!“

Na, die Kenner unter Ihnen ahnen sicher schon, warum gerade mich diese, zugegeben etwas merkwürdige, Geschichte interessiert.

Die Taube – ein Symbol des Heiligen Geistes. Der dritten Gestalt der christlichen Vorstellungen übers Göttliche, neben Gott, dem Schöpfer, und Jesus, dem Heiland. Der Heilige Geist, von dem erfüllt Christen Gutes, das Richtige tun.

Stellen Sie sich mal vor, es gäbe einen Platz, da geht man hin, die diensthabende Heilig-Geist-Taube kommt geflogen und „platsch!“: die gewünschte Portion an göttlichem Geist kommt über einen. Wäre wunderbar, und: der Theorie nach gibt es so einen Platz. Das ist – o Überraschung – die Kirche. Ein Raum ohne Angst, ohne Leistungsdruck – denn in solchen Räumen kann die Taube fliegen. Ein Raum, wo dann jede und jeder ehrlich sagen kann „so bin ich“, natürlich auch „so will ich sein“. Und überlegen kann: „und so hat Gott mich gewollt“.

So einen Raum versuchen christliche Gemeinden zu gestalten, so gut sie können. Solche Räume brauchen wir, das glaube ich sehr. Räume, wo der mutige Geist der Liebe, der Besonnenheit, der Achtung zu spüren ist.