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Segen

Der Konfirmandenunterricht ist in vollem Gange. Die Jugendlichen haben bisher gut mitgearbeitet, aber jetzt merkt man, dass langsam die Luft raus ist. Immer mehr Konfis fangen an immer mehr Quatsch zu machen. Vor allem ein bestimmter Konfirmand, nennen wir ihn Erik, ist mal wieder ganz vorne mit dabei. Als mehrmaliges Ermahnen nichts genützt hat und er zum wiederholten Mal andere Konfis mit Stiften bewirft, schicke ich ihn vor die Tür. Und einen ehrenamtlichen Helfer schicke ich gleich mit, damit Erik da vor der Tür nicht nahtlos mit dem Unsinn weitermacht.

Wie lange er dort bleiben soll, das sage ich Erik nicht. Vielleicht nur ein paar Minuten, vielleicht aber auch bis zum Ende der Stunde. So ganz genau weiß ich das selber noch nicht. Erik trottet jedenfalls zur Tür. Aber kurz bevor den Raum verlässt, dreht er sich noch einmal um und fragt: „Aber zum Segen darf ich wieder reinkommen, oder?“ Die Frage klingt kleinlaut, fast weinerlich und flehend.

„Ja, vor dem Segen rufe ich Dich wieder rein“, sage ich, einigermaßen überrascht. Eben noch war Erik der mit der größten Klappe. Und nun? Der Segen, mit dem ich jede Konfi-Stunde beende, ist ihm offensichtlich so wichtig, dass er ihn auf keinen Fall verpassen möchte.

Ein paar Minuten später darf Erik wieder rein. Die Konfis bekommen noch ihre Hausaufgabe, packen zusammen, und stellen Stühle und Tische wieder dorthin, wo sie hingehören.

Dann spreche ich den Segen: „Keinen Tag soll es geben, an dem ihr sagen müsst: Niemand ist da, der uns versteht. Keinen Tag soll es geben, an dem ihr sagen müsst: Niemand ist da, der uns hält. Keinen Tag soll es geben, an dem ihr sagen müsst: Niemand ist da, der uns liebt. So segne Euch Gott.“

Als ich fertig bin, schaue ich Erik an. Er lächelt. Und ich auch!