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Segen und Glitzer

Haben Sie sich eigentlich schon mal segnen lassen? So richtig?

Ich meine nicht das klassische „Der Herr segne dich und behüte dich…“ am Ende vom Sonntagsgottesdienst. Und ich meine auch nicht das Brautpaar am Altar. Ich meine: Segen mitten im Leben. Beim Einkaufen, auf dem Dorffest, zwischen Tür und Angel.

Ich bin fest davon überzeugt: Segen muss man spüren können. Sichtbar. Zum Anfassen. Und für mich… glitzert Segen.

Ja, Sie haben richtig gehört. Klingt vielleicht erst mal verrückt für eine Pfarrerin. Aber Gottes Segen wird doch unendlich reich über diese Erde ausgeschüttet. Manches fällt daneben. Aber ganz vieles trifft uns – und bringt uns zum Funkeln. Und wer von Ihnen schon mal echten Glitzer auf der Haut hatte, weiß: Das Zeug bleibt kleben! Man glitzert nicht nur selbst, man steckt jeden, den man umarmt, damit an. Segen bleibt eben. Besonders, wenn er glitzert.

Vor kurzem hatte eine Dame beim Senioren-Nachmittag in Bruchmühlbach ihren 94. Geburtstag. Was schenkt man einer Frau, die schon alles hat? Genau. Ich habe ihr einen Glitzersegen geschenkt. Und sie hat gestrahlt wie ein Teenager.

Oder Ende Mai: Da durfte ich zwei Kinder taufen, vier und sechs Jahre alt. Wir hatten – kein Witz – Glitzer im Taufwasser. Die beiden haben mir danach geholfen, die Gäste mit Glitzertattoos zu segnen. Am Ende haben ALLE geglitzert. Groß und Klein. Alt und Jung. Ein einziges Strahlen ging durch die Reihen.

Und das ist nicht nur was für Kinder!

Bei einem Gottesdienst hat sich eine ältere Dame ein Glitzer-Regenbogen-Tattoo abgeholt. Danach kam sie zu mir und sagte: „Frau Pfarrerin, da musste ich erst 85 Jahre alt werden, um mal so gesegnet zu werden!“

Segen bleibt – besonders, wenn er glitzert.

Aber er kann noch mehr. Er verbindet uns, auch wenn es mal nicht funkelt. Letztes Jahr haben wir eine 95-jährige Frau aus Vogelbach verabschiedet. Wir haben ihr einen „Netz-Segen“ zugesprochen. Wer konnte, hat ihr die Hand auf den Rücken gelegt. Wie ein Netz aus Menschen standen wir hinter ihr. Die Wärme, die dabei durch unsere Hände floss – die war im ganzen Raum zu spüren.

Und manchmal schützt Segen uns, ohne dass wir es sofort merken. Vor kurzem bin ich einem jungen Mann wieder begegnet, dem ich bei der Kerwe letztes Jahr einen Segen zugesprochen habe. Er sagte zu mir, dass er am Tag nach dem Segen mit einer gebrochenen Hand aufgewacht sei – und im nächsten Satz bedankte er sich für den Segen: „Fraa Parre, es hätt viel meh bassiere kenne. Ich glaab echt der Seeche hat geholf, dass nur die Hand gebroch war.“

Segen bleibt eben. Manchmal auch dann, wenn er im ersten Moment gar nicht glitzert.

Überall in Deutschland gehen Kolleginnen und Kollegen von mir im Talar dorthin, wo das Leben pulsiert. Auf Stadtfeste oder Demonstrationen wie den Christopher Street Day. Viele tragen ein Schild: „Free Blessings“ – kostenloser Segen. Und die Menschen stehen manchmal sogar Schlange.

Es ist jedes Mal tief berührend zu sehen, was dann passiert: Die Körperhaltung verändert sich, die Gesichtszüge werden weich, wenn Menschen gesegnet werden. Weil da anscheinend eine tiefe Sehnsucht ist.

Ich glaube, genau das ist Segen:

Gott berührt mich. Mitten in meinem Alltag, genauso, wie ich bin. Und wenn ich mich von dieser Liebe berühren lasse – dann fange ich innerlich an zu glitzern.

Das Beste daran ist: Ich stecke andere damit an.

Ich wünsche Ihnen ein glitzerndes Wochenende.

Passen Sie auf sich auf.