Schule statt Fabrik
Ich versuche mir vorzustellen, meine Enkelkinder, sechs und dreizehn Jahre alt, müssten in einer Fabrik arbeiten, statt zur Schule zu gehen. Absurd.
Die Weltgemeinschaft wollte Kinderarbeit bis 2025 beendet haben. Daraus wurde nichts. Für etwa 138 Millionen Kinder weltweit ist Kinderarbeit leider tägliche Realität. 54 Millionen von ihnen arbeiten unter besonders gesundheitsschädlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Sie haben keine Wahl. Sie leben in einem Teufelskreis aus Armut, Kinderarbeit und fehlenden Aufstiegschancen.
Das Lieferkettengesetz, das nun weitestgehend zurückgenommen wurde, wäre eine Chance gewesen, diesen Teufelskreis zu unterbrechen. Ich verstehe die Gründe für die faktische Abschaffung des Gesetzes. Aber was tun wir stattdessen, um die Kinderarbeit zu beenden? Um Kindern Bildung und Aufstiegschancen zu ermöglichen?
Nun, wir haben die Freiheit, Produkte zu kaufen, die ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Es dauert im Internet nur ein paar Sekunden, die entsprechenden Marken und Labels zu finden.
Unter dem Motto „Schule statt Fabrik“ sammeln die Sternsinger in diesem Jahr für Kinder in Bangladesch. Trotz Fortschritten im Kampf gegen die Kinderarbeit arbeiten dort immer noch rund 1,8 Millionen Kinder, über eine Million unter schwierigsten Bedingungen. Unterstützt werden konkrete Ausbildungsprojekte. Es geht nicht um Almosen. Es geht um Gerechtigkeit.
Zum Schluss eine Bitte. Wenn heute die Sternsinger bei Ihnen an der Tür klingeln, dann denken Sie, bevor Sie Ihr Portemonnaie öffnen, kurz an Ihre Kinder und Enkelkinder.