Beiträge

Psychische Krankheiten

„Können Sie mir einen guten Psychotherapeuten empfehlen?“

Es könnte sein, dass diese Frage ab übermorgen häufiger gestellt wird. Samstag, am 1. April, tritt eine neue Richtlinie in Kraft. Danach müssen Psychotherapeuten pro Woche mindestens vier sogenannte Sprechstunden anbieten. Das heißt: kurze Einheiten à 25min für ein erstes Gespräch mit Menschen, denen es psychisch schlecht geht. Die können auf diese Weise schneller erfahren, ob sie wirklich krank sind und wie sie gegebenenfalls weiter behandelt werden müssen.

„Können Sie mir einen guten Psychotherapeuten empfehlen?“

Trotz der neuen Richtlinie: Ich glaube nicht, dass diese Frage künftig wesentlich häufiger gestellt wird. Denn wer das tut, der stigmatisiert sich damit selbst. Psychische Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft immer noch ein Tabuthema. Ganz im Gegensatz zu körperlichen Leiden. Herzinfarkte zum Beispiel genießen sogar eine gewisse Anerkennung: Da hat jemand richtig hart gearbeitet, hat sich nicht geschont und was geschafft.

Bei Depressionen oder Angst- und Panikstörungen heißt es dagegen eher: Stell dich nicht so an, piens nicht so rum, schaff lieber mal was. Anders ausgedrückt: Psychische Erkrankungen gelten als ein Zeichen von Schwäche. Und die passt nicht in eine Gesellschaft wie unsere, in der es um Leistung geht. Am besten immer mehr davon in immer kürzerer Zeit. Kein Wunder, dass es immer mehr Menschen zuviel wird.

Etwas ganz Ähnliches hat auch der Prophet Elia im Alten Testament erlebt. Er hat viel gearbeitet und wirklich Großes geleistet, aber dann wird ihm alles zu viel. Er ist schwermütig und will sterben. Und was passiert? Gott kümmert sich um ihn. Und der sagt nicht: Elia, stell dich nicht so an. Schaff mal was! Nein, er versorgt ihn mit Essen und Trinken UND hört ihm zu. Natürlich: Das heilt die Depression nicht. Aber Elia wird auf diese Weise auch nicht stigmatisiert und als zu schwach abgestempelt.

So wie in dieser Geschichte – so sollte es immer sein. Auch, gerade in unserer Zeit. Psychische Leiden sind kein Zeichen von Schwäche, sondern Krankheiten wie andere auch. Krankheiten, die behandelt werden können. Je mehr sich diese Einsicht durchsetzt, umso mehr Menschen werden sich trauen zu fragen:

„Können Sie mir einen guten Psychotherapeuten empfehlen?“