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Oben, Himmel, Gott und so

Ich habe keine Ahnung vom Weltall. Wirklich nicht. Mein Wissen beschränkt sich eigentlich auf ein paar Science-Fiction-Filme im Kino. Aber letzte Woche wurde Weltraumgeschichte geschrieben. Die Mondumrundung der Artemis-Mission. Und selbst ich bin daran nicht vorbeigekommen.

Vier Menschen sind aufgebrochen. Mit einer riesigen Rakete, in einer kleinen Kapsel. 10 Tage auf engstem Raum. Ein Flug um den Mond – zum ersten Mal seit über fünfzig Jahren. Ein historischer Moment: So weit entfernt von der Erde war noch nie ein Mensch zuvor.

Ein Freund fragte mich:
„Ist das nicht gerade für dich interessant, oben, Himmel, Gott und so?“

Ich habe ihn ratlos angeschaut. Denn ich glaube nicht an einen Gott, der irgendwo zwischen Sternen und Planeten rumsitzt und uns von da oben beobachtet.

Aber ich bin neugierig geworden. Nicht wegen der Technik oder der gewaltigen Entfernung. Sondern wegen der Nähe, die diese Reise paradoxerweise spürbar macht.

Tag für Tag konnte man im Livestream hören, wie die Crew miteinander spricht, wie sie mit dem Team am Boden in Kontakt ist. Da wurden nicht nur Kommandos ausgetauscht. Da war Vertrauen zu spüren. Fürsorge. Menschen, die sich aufeinander verlassen müssen. Die einander brauchen, um zu überleben.

Und ich habe gedacht: Vielleicht zeigt sich „oben, Himmel, Gott und so“ ja genau dort, wo Menschen einander tragen. Wo sie sich nicht aus den Augen verlieren – selbst über unvorstellbare Distanzen hinweg.

Die Astronautin Christina Koch sagte, ihr bewegendster Moment sei der Blick zurück gewesen: Die Erde, ganz klein, inmitten dieser gewaltigen, schwarzen Dunkelheit. Wie ein kostbares Rettungsboot im Universum.
In diesem Moment hat sie verstanden: „Nicht nur wir vier hier in der Kapsel sind eine Crew. Planet Erde – du bist eine Crew.“

Ich habe immer noch keine Ahnung vom Weltall. Ich könnte Ihnen nicht erklären, wie man eine Rakete steuert. Und ehrlich gesagt: Vor so einer Bordtoilette habe ich größten Respekt. Aber ich habe verstanden, warum mich das alles doch berührt.

Wir Menschen sehen manchmal klarer, wenn wir Abstand gewinnen. Das, was uns wirklich trägt – in der Schwerelosigkeit und hier unten im Alltag – das ist mehr als Technik. „Oben, Himmel, Gott und so“ ist näher, als ich dachte. Es ist die Verbindung zwischen uns. Hier unten: denn wir sind Crew Erde.

Hier der Link zur ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/video/aus-christlicher-sicht/aus-christlicher-sicht-16-04-2026/sr/Y3JpZDovL3NyLW9ubGluZS5kZS9BQ1NfMTY3MzMy