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Meine Schublade aufmachen

Vater im Himmel – das ist mein persönliches Lieblingsbild von Gott.

Dabei geht es mir allerdings nicht um einen Kuschelgott. Gott als Vater im Himmel – dieses Bild war für mich lange Zeit sogar eher schwierig. Das lag daran, dass mein Vater seine Zuwendung und Liebe häufig mit Leistung verbunden hatte. War ich fleißig, dann war alles in Ordnung. Faulheit war nicht erlaubt.

Mein Vater kannte das nicht anders – auch seine Mutter war so. Tief verletzt durch die Erfahrungen des Krieges und der Flucht aus Jugoslawien war sie kaum mehr in der Lage, liebevoll zu sein.

Für mich war klar: Ein Vater ist jemand, der Leistung erwartet und Fleiß belohnt. Das habe ich auch auf den Vater im Himmel übertragen und versucht, es Gott mit viel ehrenamtlichem Einsatz recht zu machen.

Bis ich festgestellt habe, dass Gott ganz anders ist und seine Liebe nicht an Bedingungen knüpft. Aber so ist das – wir tendieren dazu, Gott auf das eine oder andere festzulegen und sperren ihn in die Schublade unserer Vorstellungen.

Irgendwann habe ich meine Schublade aufgemacht und festgestellt, dass meine Vorstellungen vom Vater im Himmel falsch waren.

Er ist der Vater im Himmel, der Menschen nicht fertig macht, der keinen missbraucht, der sich nicht enttäuscht abwendet und uns auch keine inneren Verletzungen zufügt. Genau das, was das Vaterbild für viele Menschen so schwierig macht.

Er ist mein Vater im Himmel, der mich bedingungslos liebt und so annimmt, wie ich bin. Das sprengt für mich jedes menschliche Vaterbild und zeigt mir, dass meine Vorstellungen von Gott immer zu klein bleiben werden.