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Kainsmal

Schnell noch töten, bevor das Haltbarkeitsdatum des Giftes abläuft. So mehrfach geschehen, Ende April, im US-Bundesstaat Arkansas. Acht Hinrichtungen wollte Gouverneur Asa Hutchinson schnell noch vollstrecken lassen. Vier sind es geworden.

 

Dass mit ihren pharmazeutischen Produkten nicht geheilt wird, sondern getötet, wollen weltweit immer weniger Pharmakonzerne hinnehmen. Sie beliefern deshalb die Justizbehörden der USA nicht mehr. Also gilt: schnell noch hinrichten, bis neue Lieferanten gefunden sind.

 

Dabei war die Todesstrafe auch in den USA auf dem Rückzug. Immer mehr US-Bürger waren dagegen, immer weniger Menschen in immer weniger Bundesstaaten wurden hingerichtet. Aber; so scheint es, der Trend hat sich umgekehrt. Nicht nur in den USA. Die Türkei diskutiert aktuell über die Wiedereinführung der Todesstrafe. Und auch in Deutschland steigt die Zustimmung.

 

Steht nicht auch in der Bibel: Auge um Auge, Zahn um Zahn? Ja, stimmt. Aber dieses Gesetz sollte nicht die Todesstrafe rechtfertigen, sondern die Blutrache begrenzen; wollte also Leben schützen. Eine Hinrichtung ist nichts anderes, als die an den Staat delegierte Blutrache. Als Kain seinen Bruder Abel erschlagen hatte, war er sicher, dass Gott ihn töten würde. Der bestrafte Kain zwar hart, machte ihm auch ein Mal auf seine Stirn. Das sollte Kain davor schützen, selbst getötet zu werden. Das heißt: Gott will die Blutrache nicht.

 

Untersuchungen auf der ganzen Welt zeigen übrigens: Überall, wo die Todesstrafe abgeschafft wurde, gab es danach weniger Mord und Totschlag. Die Todesstrafe bringt also nicht mehr Sicherheit. Sie macht alles nur schlimmer.