Im Moment
Letztens sitze ich auf der Couch und schaue ein Konzert meiner Lieblingsband im Fernsehen. Die Bühne leuchtet hell, das Publikum steht im Dunkeln. Und dann fällt mir etwas auf: Fast alle halten ihr Handy hoch und filmen mit. Sie sehen im Grunde dasselbe wie ich – nur live und trotzdem durch einen Bildschirm.
Das erinnert mich an einen Tanzauftritt meiner Tochter. Sie war damals fünf Jahre alt und stand mit Ihrer Gruppe auf der Bühne. Der Trainer trat ans Mikrofon und sagte einen Satz, den ich nie vergessen habe: „Ich bitte euch: Schaut eure Kinder gleich mit den eigenen Augen an.“ Ich weiß noch genau, wie mich dieser Satz kalt erwischt hat. Fast ein kleiner Rüffel – aber ein berechtigter. Ein Handy speichert Bilder. Aber es speichert keine Gänsehaut. Keine Tränen. Kein Herzklopfen.
Erinnerung lebt nicht vom Wiederansehen. Sie lebt von dem, was ein Moment mit uns macht – ganz direkt, ganz echt.
In der Bibel heißt es: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Vielleicht bedeutet das heute auch: Wo mein Herz ist, sollte nicht das Handy sein – sondern der Moment selbst. Deshalb lege ich mein Handy heute öfter zur Seite. Nicht weil Fotos schlecht sind. Sondern weil ich selbst erleben will. Mit meinen eigenen Augen. Und mit dem Herzen dabei.