Ich glaube an g(x)
Ich glaube an g(x). So hätte es vermutlich geklungen, wenn der österreichisch-amerikanische Mathematiker Kurt Gödel den Anfang des Glaubensbekenntnisses gebetet hätte. G(x) – das ist in seiner Sprache Gott gewesen.
Zumindest in der Rechnung, die Gödel durchgeführt und die man nach seinem Tod gefunden hat. Darin beweist Gödel, dass es Gott gibt. Beziehungsweise: Dass es ihn geben kann. In insgesamt drei Definitionen, fünf Axiomen und vier Theoremen beschreibt Gödel, welche Eigenschaften ein Wesen haben muss, um Gott zu sein. Und weil diese Eigenschaften sich nicht gegenseitig ausschließen können sie auch zutreffen. Das heißt für Gödel: Gott kann nicht nur existieren – es ist sogar logisch, dass er es tut.
Und damit nicht genug haben Wissenschaftler der Universität in Wien den Beweis Gödels vor ein paar Jahren mit leistungsstarken Computern nachgerechnet und sind zu dem Ergebnis gekommen: Gödel hatte recht.
Als Pfarrer finde ich das natürlich gut. Und: Ich habe Gödels Beweisführung sogar gelesen. Genauer gesagt: Ich habe die vereinfachte Form gelesen. Die für mathematische Laien. Im Original besteht Gödels Beweis ja nur als Buchstaben, Symbolen und Klammern. Die Laienversion beinhaltet dagegen sogar vollständige Sätze und beschreibt Schritt für Schritt Gödels Gedankengang. Verstanden habe ich das Ganze aber trotzdem nicht. Trotz mehrmaliger Wiederholung.
Schlimm? Nein, eigentlich nicht. Ehrlich gesagt musste ich sogar schmunzeln als ich den Text irgendwann weggelegt habe, weil mich alles immer nur noch mehr verwirrt hat. Der Gott, von dem die Bibel erzählt, geht nicht in Zahlen, Symbolen und Klammern auf und möge ihre Abfolge auch noch so logisch sein. Ich halte es da lieber mit dem, das der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch mal geschrieben hat. Sinngemäß hat er formuliert:
Gott, ich lasse die klugen Rechner um die Wette laufen. Ich genieße den Sommer lieber wie den Wein, kann abends unter deinem Himmel sitzen und mich freuen, dass ich bin und unter deinen Augen – lebe!