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Hintergrundmusik

Gestern Nachmittag bei uns im Pfarrhaus. Mit einer Tasse Kaffee sitze ich an meinem Schreibtisch. Die Fenster sind gekippt, von der Straße schwappt der Lärm der Autos ins Büro, wo ich an den letzten Feinheiten für den Gottesdienst morgen, am Karfreitag, feile. Am Sterbetag Jesu werden die Kerzen in der Kirche aus bleiben und statt Blumenschmuck werden Dornensträucher auf dem Altar stehen. Alles wird sich um Schmerz, Leid und Tod drehen.

Als ich gerade die Predigt nochmal durchgehe, höre ich plötzlich Musik. Musik, die von sehr weit her zu kommen scheint. Erst nach einigen Sekunden wird mir klar, was ich da höre. Es ist der Posaunenchor, der gegenüber in der Kirche für den Ostergottesdienst probt. „Christ ist erstanden, Halleluja“ – heißt das Lied, das ich da gerade höre. Die Melodie dringt über die Straße zu mir ins Büro. Ein Osterlied als Hintergrundmusik für meine Arbeit am Karfreitags-Gottesdienst. Als ganz leise Hintergrundmusik.

Wenn ein Auto vorbeifährt, muss ich mich nämlich richtig anstrengen, um noch etwas von der Musik zu hören. Das gleiche gilt bei anderen Geräuschen von draußen: Ich muss warten, bis es wieder ein bisschen ruhiger wird. Erst dann kann ich das Osterlied wieder hören.

Irgendwie passt das, denke ich. Denn noch ist ja auch noch nicht Ostern. Aber wie alle großen Ereignisse wirft auch Ostern, die Auferstehung Jesu,  ihre Schatten voraus. Mitten hinein in das Ende der Passionszeit. Ich habe die Hoffnung, dass Leiden, Sterben und Tod nicht das letzte Wort haben werden. Hinter all dem wartet etwas Wunderschönes. Die Auferstehung der Toten und ein Leben bei Gott. Und die Musik des Posaunenchors gibt mir jetzt schon einen Vorgeschmack darauf.