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„Hält der sich an sein Versprechen?“ – Mit Max in der Krankenhauskapelle

„Wo arbeitest du eigentlich, du hast doch gar keine Kirche?“ Das fragen mich Kinder im Krankenhaus oft, wenn sie hören, dass ich als Klinikseelsorgerin arbeite. Ich verabrede mich mit einigen von ihnen, die Lust auf ein Gespräch haben, zu einem Treffen in der Klinikkapelle. Bevor wir hineingehen, will ein 12-jähriger Junge, ich nenne ihn Max, es genau wissen: „Muss man hier beten, um weiterzuleben?“ „Nein, Max. Hierher kann jeder kommen, niemand muss etwas“, antworte ich. „Und weiterleben können wir doch alle, solange wir atmen – warum sollte das plötzlich nur mit Beten gehen?“

Max kommt mit in die Kapelle, setzt sich, denkt kurz nach – und dann kommt der Satz, um den es ihm eigentlich geht: „Ich hätte gern mal jemand, der hält, was er verspricht. Glaubst du, Gott ist so einer?“ Ein Mädchen ergänzt leise: „Ich dachte immer, Gott ist gut gegen Angst – hab ich von meiner Oma.“ Es wird still in der lichtdurchfluteten Kapelle. Solche Momente kenne ich gut: Sprachlosigkeit, die lauter wirkt als jedes hineingesprochene Wort. Wie mutig diese Kinder ihre harten Lebenserfahrungen mit Gott in Verbindung zu bringen wagen, berührt mich jedes Mal neu.

Ich frage nach: „An was soll Gott sich denn halten, wenn er jedem von uns ein Versprechen gibt? Was muss er erfüllen, damit es zum Weiterleben reicht?“ Max wirkt vorbereitet, fast wütend: „Dass endlich mal jemand macht, was er sagt, und nicht Termine dazwischenkommen – dass er Zeit hat und mir zuhört, statt gar nicht erst zu kommen!“

Ich sage zu ihm und den anderen: „Ihr seid gerade ganz schön nah dran an diesem Gott. Er will wirklich halten, was er verspricht – für jede und jeden von euch. Hier können wir beten, müssen es aber nicht. Manchmal komme ich einfach nur her, um zu sitzen, manchmal halte ich hier Gottesdienst. Und immer vertraue ich darauf, dass Gott da ist – für alle, die es wollen, besonders für die, die verletzt, wütend oder traurig sind.“

Max steht auf, läuft unruhig herum: „Könnten sich meine Eltern mal ein Beispiel dran nehmen. Wer weiß, ob das stimmt, was Sie da erzählen.“ Als er sich wieder setzt, lese ich Gottes Versprechen an Josua vor: Ich habe dir doch gesagt, dass du stark und mutig sein kannst! Fürchte dich nicht und schrecke vor nichts zurück, denn ich, dein Gott, bin bei dir bei allem, was du unternimmst. Dazu sage ich: „Das hat jemand aufgeschrieben, der Gottes Dasein erlebt und daran geglaubt hat – um das zu schaffen, wovor er am meisten Angst hatte.“

Max’ Antwort kommt schnell: „Wenn ich mich nicht mehr fürchten müsste, würde ich mal laut sagen, dass Regeln auch für Erwachsene gelten. Und wenn es diesen Gott gibt, der die Menschen stark macht, dann soll er dafür sorgen, dass Erwachsene sich auch an Versprechen halten. Nützt ja nix, wenn nur Gott alles machen soll.“

Stimmt, denke ich: Viel schöner ist es, wenn wir alle die Kraft, die Gott uns gibt, selbst einsetzen – für andere, für unser verlässliches Miteinander.

„Man nennt das Segen“, sage ich zu Max, „wenn Gott einem Menschen Kraft und Mut zusagt und verspricht, für ihn da zu sein.“ Das habe ich selbst schon erlebt: Segen als ein Versprechen, an das Gott sich wirklich hält. Als Angebot, Mut und Vertrauen nicht aufzugeben und immer wieder darauf zu hoffen, dass es besser werden kann – zu Hause, in der Familie, in der Schule.

Die Kinder möchten den Segen für Josua noch einmal hören. Jedes nimmt sein wichtigstes Wort mit in diesen Tag. Für mich haben heute die Kinder Josuas Segen erfahrbar gemacht: Wie mutig sind sie mit mir in der Kapelle ins Gespräch gekommen. Sei mutig und stark – auf diesen stärkenden Gott dürfen auch Sie sich verlassen.