Gottesdienst für obdachlose Jugendliche
Mein Sohn hat eine besondere Begabung mit Menschen in Kontakt zu kommen, die in unserer Gesellschaft am Rand stehen. Ich weiß nicht, wie er das macht, aber diese Menschen vertrauen ihm. Das war bei ihm schon als Jugendlicher so. Damals haben wir noch in Mainz gelebt und ich habe durch seine Bekannten erst gesehen, wie viele obdachlose Jugendliche es in Mainz gab. Die fallen ja im Straßenbild viel weniger auf als ältere Obdachlose. Aber es gibt sie in jeder Stadt!
Mein Sohn hat immer wieder mal Jugendliche zu uns nach Hause mitgebracht, die kein Zuhause mehr hatten. Der eine oder andere hat dann auch ein paar Tage bei uns gewohnt. Obdachlose Mädchen haben im Winter auch mal in einem beheizten Partyraum bei unserem Gemeindezentrum geschlafen.
Und an manchen Sonntagen waren diese Jugendlichen im Gottesdienst. Allerdings nicht im Gemeindehaus, sondern außen auf der Feuertreppe, ganz oben am Dach!
Dort saßen sie, haben ihre Zigaretten geraucht und hatten einen Funkkopfhörer auf. Diese Kopfhörer hatten wir eigentlich für die Eltern im Kleinkinderraum angeschafft. Nun haben auch Jugendliche diese Möglichkeit genutzt, um an einem Gottesdienst teilzunehmen.
Mein Sohn meinte nur: „Papa, die brauchen den Gottesdienst ganz dringend. Aber eine Stunde auf einem Stuhl sitzen und zuhören – das ist überhaupt nicht ihr Ding. Da fühlen die sich total unwohl.“
Auf der Feuertreppe mit einer Zigarette in der Hand ging es aber sehr gut!