Gift!
„Gift!“ – dieses Wort war vor kurzem in riesigen Lettern auf die Wand eines Corona-Impfzentrums in Sachsen gesprüht.
„Gift!“, deutlicher kann man sein Misstrauen gegen Staat und Politik und gegen die Wissenschaft nicht ausdrücken.
Da kann die Politik noch so transparent sein (gerade auch im Blick auf ihre Fehler), die Wissenschaft noch so vernünftig argumentieren – zu denen, die das Misstrauen teilen, dringt das gar nicht durch.
Woher kommt dieses Misstrauen? Ich glaube, es ist auch eine Folge des Bedeutungsverlustes der Kirchen. Bei allem, was man über die Kirchen auch negativ sagen kann, sie waren immer auch das: Schulen des Vertrauens. Zum Glauben rufen, das ist ihre Aufgabe. Lebt aus dem Vertrauen auf den gnädigen Gott, das ist ihre Botschaft. Auch wer davon nicht persönlich angesprochen war, kam doch damit in Berührung. In Kindergarten und Schule, Konfirmanden- und Firmunterricht, bei Hochzeiten und Taufen, usw. Das fehlt heute vielfach. Eine andere, ebenso wirkmächtige Schule des Vertrauens, ist nirgendwo in Sicht. Die Menschen, befürchte ich, verlernen das Vertrauen. Sie vertrauen nur noch sich selbst. Und das ist erfahrungsgemäß zu wenig. Der Rest ist Misstrauen.
Was ist zu tun? Für die Kirchen: Nicht müde werden, ihre Botschaft vom Vertrauen zu sagen.
Ansonsten braucht es unzählige vertrauensbildende Maßnahmen. Verlässliche Beziehungen. Das offene Gespräch zwischen Menschen.
Als Erstes aber braucht es unser Erschrecken über das Ausmaß des Misstrauens. Denn das Misstrauen ist vor allem eines: „Gift!“