Ein Ort der Zeitansage und der Zukunftshoffnung
Heute beginnt er! Und er dauert bis Sonntag: der evangelische Kirchentag! Passend zum 500-jährigen Reformationsjubiläum findet er in diesem Jahr –neben Berlin- auch in Wittenberg statt. Der Stadt Luthers, dem „Rom der Reformation.“
Viele Menschen werden dort erwartet: Junge und Alte machen sich auf den Weg; wollen sich informieren, theologisieren, diskutieren; ein Stückchen des Weges mit Gleichgesinnten gehen. Gemeinsam gefeierte Gottesdienste dokumentieren das Zusammengehörigkeitsgefühl.
Ich könnte mir gut vorstellen, dass dem Reformator Luther so eine Versammlung im großen Stil und mit entsprechender Außenwirkung gut gefallen hätte! Der Kirchentag ist ja gerade kein Konzil der Fachleute und der Kirchenfürsten. Sondern: Hier zeigt die Basis ihr Profil. Hier kann dem „Volk aufs Maul geschaut“ werden. Das Evangelium wird zeit- und menschengemäß „gedolmetscht.“ Es geht darum, was die Menschen an- und umtreibt.
Worüber werden sie sich austauschen? Welche Perspektiven für den Glauben und die Lebensgestaltung sind aktuell angesagt? Welcher „Geist weht“ auf dem Kirchentag? Der Kirchentag ist immer auch so eine Art „Zeitansage“ für die Glaubenden und die Kirche. Und das gilt nicht ausschließlich für die Dauer des Kirchentages. Seine Impulse, Fragen und Themen wirken vielfach in der Fläche nach: In manchen Gemeinden werden Kirchentagsthemen aufgegriffen, weiter besprochen; in Bezug auf die jeweiligen Verhältnisse vor Ort konkretisiert.
Ich bin darauf gespannt, welche Impulse in diesem Jahr vom Kirchentag in Wittenberg ausgehen werden. Ein paar Themen könnte ich mir gut vorstellen. Etwa: Wie sieht es aus mit der gerechten Verteilung von Wohlstand und Verantwortung in unserem Land? Das Auseinanderdriften von Arm und Reich scheint ja unaufhaltsam fortzuschreiten. Oder: Wie können wir unsere Verantwortung für den Frieden in der Welt wahrnehmen? Haben wir noch andere Optionen – außer der Entsendung von Waffen und Soldaten?
Bis am kommenden Sonntag wird auf dem Kirchentag in Berlin und Wittenberg lebhaft diskutiert, gebetet und gefeiert. Aber auch wenn er dann zu Ende ist, dürfen wir in unserem Umfeld weiter dran bleiben – am Beten, Diskutieren und auch am Feiern!