Edel, hilfreich und gut
Neulich im Tatort hat eine Ärztin Obdachlosen gesunde Organe entfernt und für teuer Geld verkauft. Die Opfer wurden dann von irgendeiner Mafia entsorgt.
Naiv, wie ich manchmal bin, sagte ich zu meiner Frau: Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Ärztin sich für so etwas hergeben würde. Meine Frau sagte nur ein Wort: Mengele.
Ja, natürlich. Der KZ-Arzt Mengele mit seinen grausamen Versuchen an Menschen ist der schlagende Beweis, dass es auch in edlen Berufen böse Menschen gibt. Und vielleicht sogar dafür, dass der Mensch an sich nicht wirklich gut ist.
Das war ja die Hoffnung der Aufklärung, dass der Mensch, wenn er sich aus den Fesseln der Religion befreit hat, zu seinem eigentlichen Wesen finden und sich als edel, hilfreich und gut erweisen könne.
Die Bibel hat ein anderes Menschenbild: „Das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse, von Jugend auf“, heißt es im ersten Buch der Bibel (Gen. 8,21).
Vielleicht ist es so: Der Mensch ist seinem Wesen nach zum Bösen fähig, aber nicht dazu verdammt, es zu tun. Der Mensch ist wesenhaft nicht edel, hilfreich und gut. Aber er ist dazu fähig.
Anders gesagt, der Mensch kann das Gutsein lernen. Er muss es wohl auch. Er lernt es vom ersten Tag an in funktionierenden, sozialen, idealerweise liebevollen Beziehungen. Er lernt es, durch die bewusste Vermittlung von Werten.
Er lernt es am besten, davon bin ich überzeugt, wenn er über sich einen Gott weiß. Weil ihn das davor bewahrt, sich selbst zum Gott aufzuspielen. Das nämlich ist die Wurzel alles Bösen.