Die Kirche im Dorf
In der zurückliegenden Osternacht wurde die Kirche in unserem Dorf feierlich entwidmet. Über 175 Jahre hinweg wurde in ihr getauft, getraut und getrauert. Wurde gesungen, gebetet, gefeiert. Nun also ein letzter Gottesdienst. Das tut schon weh. Vielen im Dorf. Auch wenn der Schritt wohl unausweichlich war. Immer weniger Menschen in der Kirche. Immer höhere Kosten für die Kirche. Das geht nicht auf.
Seit 2020 wurden allein in der Evangelischen Kirche im Rheinland 22 Kirchen entwidmet. Und es geht immer weiter. Bei uns und überall in Europa. Kirchen werden abgerissen oder verkauft und dann ganz anderes genutzt. Als Restaurant oder Kletterhalle oder Parkhaus für Fahrräder. Manche auch als Begräbnisstätte für Urnen. Immerhin. Wenn’s gut geht, werden sie von anderen Konfessionen weiter als Kirche genutzt.
Immer weniger Kirchen für immer weniger Christen.
Obwohl, immer weniger Christen, das stimmt ja nur bei uns. Weltweit gibt es immer mehr Christen. Vor allem im globalen Süden und in Asien. Bis 2050 werden es wohl rund drei Milliarden sein. Die wachsenden christlichen Gemeinschaften dort unterscheiden sich allerdings von unserer Form von Kirche. Sie sind frömmer, enthusiastischer, charismatischer. Aber auch in der scheinbar erstarrten kirchlichen Wirklichkeit Europas gibt es neues Leben. In Frankreich haben sich in der Osternacht mehr als 21000 überwiegend junge Menschen taufen lassen. Da tut sich was. Ich bin voller Hoffnung. Die Christenheit wird nicht verschwinden, sie wird nur anders aussehen. Auch in meinem Dorf.