Der Tag danach
Was bleibt eigentlich vom Zauber der Heiligen Nacht, am Morgen danach? Die Verwandten sind satt. Ein paar Besuche stehen noch aus. Aber die Geschenke sind schon ausgepackt, das Geschirr stapelt sich in der Spüle und Berge an Geschenkpapier liegen irgendwo in der Ecke.
War es das gefühlt jetzt schon wieder mit Weihnachten? Also, zumindest bis zum nächsten September, wenn die Supermärkte wieder Nikoläuse und Spekulatius in die Regale räumen? Ich seufze und mache mich daran, aufzuräumen und das Geschirr zu spülen.
Als ich aber beherzt in den Haufen Geschenkpapier greife, stutze ich. Nanu? Was ist denn das? Zwischen zerknülltem Papier liegt ein kleines Geschenk, dass ich gestern Abend bei der Bescherung übersehen habe. Es steht kein Name drauf, keine Karte. Und gestern Abend hat es niemand vermisst.
Neugierig öffne ich es – und darin: Eine Tafel Schokolade mit einer winzigen, handgeschriebenen Notiz. „Für die kleinen Momente zwischen dem Trubel“ steht darauf. Von wem es kommt, das weiß ich nicht. Aber plötzlich spüre ich sie wieder, die Weihnachtsstimmung von Heilig Abend. Die Freude. Die Geborgenheit.
Ich setze mich auf die Couch, lass das Chaos sein und breche mir ein Stück Schokolade ab. Das bleibt also vom Zauber der Heiligen Nacht, am Morgen danach: Das Gefühl, dass jemand an mich denkt. Die überraschende Geste. Die kleine Aufmerksamkeit. Das, womit ich nie gerechnet hätte.