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Der die Infizierten umarmte

Manchmal wird auch ein Mörder zu einem Segen. Wolfgang Uhle zum Beispiel. Der wird 1542 Pfarrer in Wittenberg zum Pfarrer ernannt. Allerdings ist er ein jähzorniger Mensch und muss deswegen häufig seine Gemeinde wechseln. 1561 kommt er nach Clausnitz. Dort trifft er auf einen bestechlichen Richter.

Dann passiert es. Am 10. Juli 1563 erschlägt er den Richter mit einem Hammer. Ein Skandal! Pfarrer Uhle flieht in die Wälder. Das Gericht verurteilt ihn zum Tode.

Doch dann bricht in der Region die Pest aus und wütet grausam. Pfarrer Uhle wendet sich an die Behörden. Er bereut den Mord im Jähzorn und bittet darum, begnadigt zu werden. Er sagt: „Es geht nicht, dass die Kranken ohne seelsorgerliche Begleitung leiden und sterben.“ Deshalb will er Pestpfarrer werden. Er wird tatsächlich begnadigt, weil man davon ausgeht, dass er sowieso bald sterben wird, wenn er Kontakt zu Pestkranken hat.

Pfarrer Uhle kümmert sich hingebungsvoll um Kranke und Sterbende und schont sich dabei nicht. Doch er wird nicht krank. Das Volk sieht darin ein Gottesurteil. Gott hat ihm seine Schuld vergeben. Seine Nächstenliebe und Hingabe machen ihn zum Helden. Viele strömen trotz der Pest in seine Gottesdienste. Später baut er eine große Sonntagsschule auf, in der er Kindern Lesen und Schreiben beibringt.

Gott hatte mit ihm scheinbar trotz seiner Schuld noch etwas vor! Er wurde er zum Segen für Kranke und für Kinder.