Das geschrumpfte Schnitzel
Neulich im Restaurant ist mein Schnitzel geschrumpft. Zumindest hat es sich für mich so angefühlt. Der Kellner kam, stellte die Teller auf den Tisch. Und mein Schnitzel, auf das ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte, sah einfach fantastisch aus. Zumindest so lange, bis ich angefangen habe, nach links und rechts zu schauen.
Plötzlich sah der Teller neben mir irgendwie besser aus. Die Portion beim anderen größer. Das Essen des Nachbarn spannender. Und mein Schnitzel? Das wirkte innerhalb weniger Sekunden nur noch halb so gut. Dabei hatte sich überhaupt nichts verändert. Mein Schnitzel war noch genau dasselbe. Nur mein Blick darauf war plötzlich ein anderer.
Und das passiert mir nicht nur im Restaurant: Der Nachbar hat ein neues Auto. Ein Kollege bekommt Lob. Jemand erzählt vom Traumurlaub. Und plötzlich wirkt mein eigenes Auto, mein eigener Erfolg, mein eigener Urlaub ein kleines bisschen kleiner – obwohl sich daran überhaupt nichts verändert hat. Außer mein Blick darauf. Und der vergleicht manchmal schneller, als ich denken kann.
Also habe ich mein Schnitzel einfach nochmal angeschaut. Diesmal bewusst. Und siehe da: Es war gar nicht kleiner geworden. Es war immer noch genau das Schnitzel, auf das ich mich den ganzen Tag gefreut hatte. Diesen zweiten Blick brauche ich öfter. Denn manchmal ist mein eigenes Schnitzel gar nicht zu klein. Selbst wenn das der anderen einmal größer ist als meins.