Das Gebet, das blieb
„Ich bin klein, mein Herz mach rein…“ Kennen Sie diesen Kinderreim noch? Ein schlichtes Abendgebet, das Generationen begleitet hat. Für Kevin Meyer wurde genau dieser Satz zum Rettungsanker.
Dabei war seine Familie gar nicht besonders kirchlich. Aber seine Mutter betete diese Zeilen jeden Abend an seinem Bett. Kevin wuchs in einem schwierigen Viertel in Mannheim auf. „Dort kommst du als Jugendlicher schneller an Drogen oder Schlägereien, als dir lieb ist“, erzählt er heute, mit Anfang 30. Er wollte dazugehören, trainierte Muskeln, trug die harten Klamotten. Als Sohn eines US-Soldaten wollte er „gefährlich“ wirken, um sich zu behaupten.
Doch jedes Mal, wenn es brenzlig wurde, ploppte dieses Gebet in seinem Kopf auf. „Das passte einfach nicht zusammen“, sagt er. Kevin blieb draußen, wurde zum Außenseiter – und fand schließlich durch seine Konfirmation einen ganz eigenen Zugang zu Gott. Der Glaube wurde sein Kompass.
Heute ist Kevin Pastor einer Freikirche und Vater. Wenn er seine eigenen Kinder ins Bett bringt, betet er natürlich auch mit ihnen. Welchen Weg sie einmal gehen, weiß er nicht. Aber eines hat er am eigenen Leib erfahren: Gebete, die wir unseren Kindern mitgeben, sind niemals umsonst. Sie hallen nach – manchmal ein ganzes Leben lang.