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Bleib im Takt

„Jetzt bleib doch mal im Takt!“, ruft der Dirigent dem Zwölfjährigen im Schulorchester zu. Wer kein Taktgefühl hat, hat es in der Musik eben schwer. Aber auch im ganz normalen Alltag ist es gar nicht das Schlechteste, im Takt zu bleiben. Ein fester Takt sorgt dafür, dass ich im Rhythmus des Lebens bleibe. Er schenkt mir feste Rituale, gibt mir Verlässlichkeit und das Gefühl, dass es immer weitergeht. Am besten mit anderen. Wie im Orchester. Einer oder eine behält vorne den Überblick und gibt den Takt für ein Lied vor.

Heute sitze ich in einer Physiotherapiepraxis. Doch statt Tipps für mehr körperliche Bewegung liegt auf dem Tisch ein Flyer über mentale Stärke und innere Haltung. „Im Takt bleiben“, wird mir da vorgeschlagen.

Ich frage ich: Bin ich eigentlich im Takt? Und wenn ja: im richtigen? Na ja, da ist manchmal noch ein bisschen mehr persönliches Taktgefühl nötig, um überhaupt zu erkennen, was ich selbst gerade wirklich brauche.

Ständig im exakt gleichen Rhythmus wie alle anderen zu sein – das wünsche ich mir allerdings nicht. Das hat für mich einen bitteren Beigeschmack von Gleichschritt. Und dagegen wehre ich mich. Es geht vielmehr darum, im eigenen, ganz persönlichen Takt zu bleiben. Nur so bin ich stark genug, um dieser lauten Welt selbstbewusst entgegenzutreten. Und genau darum bitte ich Gott auch heute.