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Beinah erwischt

Meine kleine Enkelin liebt es, wenn wir zusammen Bücher anschauen und ich ihr erzähle was auf den Bildern passiert.

Neulich ging es um ein kleines Kaninchen, das neugierig die Welt entdeckt. Es hoppelt über eine Wiese, freut sich über die Gänseblümchen – und plötzlich taucht ein großer Iltis auf. Das Kaninchen flieht und versteckt sich zitternd in einer Höhle. Beinah wäre es erwischt worden.

Am nächsten Tag kam meine Enkelin zu mir und sagte nur: „Opa, nochmal das Beinah-Buch.“

Sie wartete gespannt auf genau diese Seite. Als das verängstigte Kaninchen in seiner Höhle saß, stand sie plötzlich auf, lief in den Garten und kam mit einem Gänseblümchen zurück. Sie legte es auf das Bild.

Für sie war völlig klar: Wer beinahe erwischt wurde, braucht erst einmal Schutz – und etwas zu essen.

Mich hat das tief berührt. Kein langes Nachdenken, keine komplizierten Erklärungen. Einfach Mitgefühl.

Später machte sich das Kaninchen gestärkt wieder auf den Weg und kam sicher nach Hause.

Ich staune immer wieder darüber, wie selbstverständlich Kinder wissen, was einem Menschen oder auch einem kleinen Kaninchen guttut.

Neulich sollten Kinder im Kindergottesdienst aufschreiben, was sie gut gemacht haben. Ein Kind schrieb: „Ich habe meiner kleinen Schwester ein Aua weggepustet.“

Vielleicht meinte Jesus genau das, als er sagte: „Werdet wie die Kinder.“

Manchmal ist die Welt gar nicht dadurch besser, dass wir mehr wissen – sondern dadurch, dass wir einfach anfangen zu trösten.