Ärger
Schon wieder stellt der Nachbar seine Mülltonne direkt vor meinen Eingang, schon wieder steht ein E-Scooter im Weg, schon wieder kommt der Bus zu spät. Mein Ärger beginnt oft mit einem Störgefühl. Da ist etwas, das nicht dorthin gehört. Jemand überschreitet eine Grenze, etwas läuft anders als erwartet, Kontrolle geht verloren – oder ich habe Angst davor. Je älter ich werde, desto mehr Gelegenheiten bietet das Leben scheinbar für genau solche Erfahrungen.
Doch die entscheidende Frage lautet: Was mache ich mit diesem Ärger? Bleibe ich darin stecken, oder versuche ich Abstand zu gewinnen? Manche Dinge lassen sich ändern – dann sollte ich handeln, Kontrolle zurückgewinnen, mit dem Nachbarn sprechen, den E-Scooter zur Seite stellen. Aber nicht alles, was mich stört, kann ich wirklich beeinflussen. Das ist bedauerlich. Und ich merke – Bedauern ist schon der erste Schritt weg vom Ärger und hin zu mehr Gelassenheit.
Zur Überwindung meines Ärgers helfen mir außerdem: Distanz, Humor und Vertrauen. Distanz bedeutet mich zu fragen: Muss wirklich alles so sein, wie ich es mir vorstelle? Humor hilft, die Dinge nicht größer zu machen, als sie sind. E-Scooter sind nicht die Reittiere der Apokalypse. Und Vertrauen bedeutet, nicht alles kontrollieren zu müssen – im Wissen oder der Hoffnung, dass Vieles am Ende gut wird oder zumindest gut genug.
Die Welt ist nicht gegen mich. Höchstens gelegentlich. Deshalb sollte ich milder mit mir und meinen Mitmenschen umgehen. Denn weniger Ärger macht das Leben nicht nur leichter – sondern auch menschlicher.