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Christi Himmelfahrt 2024

Musik 1 (4‘25“): John Lennon: Starting over, auf: Double Fantasy (1980)

Our life together is so precious together
We have grown, we have grown
Although our love is still special
Let′s take a chance and fly away
Somewhere alone
It’s been too long since we took the time
No-one′s to blame, I know time flies so quickly
But when I see you darling
It’s like we both are falling in love again
It’ll be just like starting over
Starting over
Everyday we used to make it love
Why can′t we be making love nice and easy
It′s time to spread our wings and fly
Don’t let another day go by my love
It′ll be just like starting over

Startin’ over
Why don′t we take off alone
Take a trip somewhere far, far away
We’ll be together all alone again
Like we used to in the early days
Well, well, well darling
It′s been too long since we took the time
No-one’s to blame, I know time flies so quickly
But when I see you darling
It’s like we both are falling in love again
It′ll be just like starting over
Starting over, Look out
Our life together
Is so precious together
We have grown, mmh we have grown
Although our love still is special
Let′s take a chance and fly away somewhere

Starting over (over and over and over)

Autor: (2‘30“)

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Das war John Lennon mit „Starting over“, ein Titel von seinem letzten Album „Double Fantasy“, das drei Wochen vor seiner Ermordung veröffentlicht wurde. Ich hoffe, er ist nicht sauer im Himmel, dass ich seine Musik heute gleich mehrmals einbaue. Stand er doch den Religionen kritisch gegenüber.

Der Feiertag heute heißt eigentlich „Christi Himmelfahrt“ – für viele ist das aber der „Vatertag“. Doch dazu später. Denn: Ich bin Pfarrer Jörg Metzinger, also arbeite ich erstmal das „Eigentliche“ ab. Und das ist die Geschichte, wie Jesus – vom Todauferstanden – 40 Tage nach Pfingsten dann endgültig zu Gott „gen Himmel fuhr“ wie es in der Bibel heißt.

Christi Himmelfahrt – schwer zu verstehen, was damit gemeint sein soll; noch schwerer, das in den persönlichen Glauben einzubauen.

Kinder sind ganz da unbefangen, wer die nach „Himmelfahrt“ fragt, der wird ganz viel über Raketen, Space-Shuttles und Raumfahrzeuge hören, auf denen Jesus vielleicht abgereist ist. Erwachsene bekommen das nicht mehr so einfach auf die Reihe.

Das liegt daran, dass der Vorstellung von der Fahrt des Jesus in den Himmel ein ganz anderes Weltbild als unser heutiges zu Grunde liegt.

Für die Menschen damals, vor 2000 Jahren, waren Erde und Himmel klar lokalisierbare Orte. Die Erde: eine flache Scheibe, auf der Menschen und Tiere leben, darüber der Himmel, der Platz für Gott, Engel, die Heiligen und natürlich Jesus Christus. Unter der Erdenscheibe das Reich des Todes, das Reich der Toten. Übrigens, auch dort ist Jesus gewesen, „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ heißt es im Glaubensbekenntnis.

Das war das Weltbild vor 2000 Jahren, als noch niemand die Erde vom Weltraum aus gesehen, niemand von Sternensystemen und Galaxien etwas gewusst hat.

Ein Weltbild, das auch Gott klar lokalisiert hat – während ich ihn heute allenfalls in mir selbst, manchmal auch in den Lebewesen um mich herum oder – noch seltener – in unbelebten Dingen zu spüren glaube.

Im englischsprachigen Raum hat man’s einfacher, denn dort gibt es zwei Wörter für das, was bei uns „Himmel“ genannt wird: sky für den Himmel über mir, mit Wolken oder Sonne, mit Sternen und dem Mond. Und heaven für – ja für was? Für eine Dimension in der Seele, nicht im Raum.

Obwohl – es bleibt auch faszinierend, Verbindungen zu suchen zwischen dem blauen, weiten Himmel und dem tiefen Gefühl von Freiheit und Frieden und Wohlergehen, das himmlisch ist….

Musik 2 (3‘22“): Out the blue, aus: Mind Games (1973) oder Alternate version (4:06), aus The Complete Lost Lennon Tapes Tapes Vol.7/8

 Out the blue you came to me

And blew away life’s misery

Out the blue life’s energy

Out the blue you came to me

Everyday, I thank the Lord and Lady

For the way that you came to me

Anyway, it had to be

Two minds, one destiny

Out the blue you came to me

And blew away life’s misery

Out the blue life’s energy

Out the blue you came to me

All my life’s been a long slow knife

I was born just to get to you

Anyway, I survived

Long enough to make you my wife

Out the blue you came to me

And blew away life’s misery

Out the blue life’s energy

Out the blue you came to me

Like a UFO, you came to me

And blew away life’s misery

Out the blue life’s energy

Out the blue you came to me

Autor: (1‘10“)

So, genug Himmelfahrt. Das interessiert doch heute eigentlich kaum jemanden. Denn heute ist für viele Vatertag. Ja, und den feiert mann (!) unter freiem Himmel. Also doch eine Himmelfahrt? Nur nicht gen Himmel sondern unterm Himmel sozusagen.

Väter feiern den Vatertag merkwürdigerweise meistens ohne Kinder. Dafür mit Bierkästen und Schnapsflaschen im Bollerwagen.

Ja, ich habe den Eindruck, dass da auch viele unterwegs sind, die gar keine oder noch keine Väter sind.

Von daher vermute ich, dass aus dem Vatertag still und heimlich ein Männertag wird.

Ich schlage also heute den Bogen von Himmelfahrt zu Vatertag. Aus christlicher Sicht.

Und zur Einstimmung John Lennon mit seinem Song „Beautiful Boy“ von 1980, in dem es um seinen 1975 geborenen Sohn Sean geht. John Lennon hatte sich nach dessen Geburt aus dem Musikgeschäft zurückgezogen. Das Familienleben hatte Priorität. Er wollte nicht auch die Kindheit seines zweiten Sohnes verpassen, wie bei Julian, seinem Erstgeborenen. Drei Wochen nach Veröffentlichung des Albums, auf dem „Beautiful Boy“ zu hören ist, wurde John Lennon ermordet.

Musik 3 (4‘05“): John Lennon: Beautiful Boy, auf: Double Fantasy (1980)

Close your eyes
Have no fear
The monster’s gone
He’s on the run
And your daddy’s here

Beautiful, beautiful, beautiful
Beautiful boy
Beautiful, beautiful, beautiful
Beautiful boy

Before you go to sleep
Say a little prayer
Every day, in every way
It’s getting better and better

Beautiful, beautiful, beautiful
Beautiful boy
Beautiful, beautiful, beautiful
Beautiful boy

Out on the ocean, sailing away
I can hardly wait
To see you come of age
But I guess we’ll both just have to be patient

‘Cause it’s a long way to go
A hard row to hoe
Yes, it’s a long way to go
But in the meantime

Before you cross the street
Take my hand
Life is what happens to you
While you’re busy making other plans

Beautiful, beautiful, beautiful
Beautiful boy
Beautiful, beautiful, beautiful
Beautiful boy

Before you go to sleep
Say a little prayer
Every day, in every way
It’s getting better and better

Beautiful, beautiful, beautiful
Beautiful boy

Darling, darling, darling
Darling Sean
Good night, Sean
See you in the morning
Bright and early

Autor: (3‘00“)

Der Feiertag heute heißt eigentlich „Christi Himmelfahrt“ – für viele ist das aber der „Vatertag“, der Tag für echte Männer. In der Bibel gibt es reichlich Geschichten mit Vätern. Ein kurzer und unvollständiger Blick auf einige davon.

Ich fange vorne an. Der erste Mann auf Erden, Adam. Seine Söhne hießen Kain und Abel. Die Erziehung ging offensichtlich daneben. Denn der eine hat den anderen erschlagen.

Der erste Mord: reine Männersache.

Weiter. Vater Abraham – nicht der mit den Schlümpfen – nein, der in der Bibel. Der lange warten muss, bis er endlich natürlich einen Sohn hat, Isaak.

Nun, Vater Abraham hat wenig Skrupel, seinen Sohn Gott zu opfern. Es schaudert einen, diese Geschichte auf dem Berg, mit dem Dolch und dem arglosen Kind, das den Altar mitbauen hilft. Im letzten Moment geht Gott persönlich dazwischen.

Gehorsam – auch ein Männerthema.

Dieser Isaak, erwachsen und selbst Vater geworden, hat sich auch nicht mit Ruhm bekleckert bei seinen zwei Söhnen. Der eine Sohn, Esau, der wilde, etwas einfach gestrickte Jäger, ist – vielleicht deshalb – sein Lieblingssohn. Der andere, der weiche, raffiniert-listige Jakob – den hat die Mutter lieber. Ergebnis: tiefes Zerwürfnis der Brüder, Konkurrenz auf Leben und Tod. Versöhnung erst, nachdem der Vater gestorben ist.

Konkurrenz – noch so ein Männerthema.

Im Neueren Teil der Bibel, der Geschichte von Jesus, sind weniger Väter zu finden. Der Teil der Bibel ist ja auch dünner.

Und gleich der erste, das ist Josef, der Zimmermann. Von dem meistens nur an Weihnachten erzählt wird, bei der Geburt von Jesus. Tja, was ist der denn nun? Halbvater von Jesus? Schließlich soll doch der heilige Geist es gewesen sein und seine Frau Maria noch unberührt…. Die Diskussion um Kuckuckskinder findet sich also schon in der Bibel! Immerhin – Josef ringt sich durch, bei seiner schwangeren Marie zu bleiben. Trotz der Dreierbeziehung. Später wird Josef nur noch beiläufig erwähnt, ein Statist im Hintergrund.

Der abwesende Vater – also ein altes Thema.

Auffällig: bei Jesus selbst, Paulus, Petrus, den anderen Jüngern – von Kindern, eigenem Vatersein ist keine Rede. Allerdings gibt es noch diese Geschichte vom verlorenen Sohn. Die Jesus mit Happy End erzählt:

Da ist ein namenloser Vater, dessen Sohn in die Welt zieht und abgerissen reumütig zurückkehrt. Und der Vater nimmt ihn wieder auf und überzeugt auch seinen anderen Sohn, der immer brav bei ihm blieb und nun diese Gnade gegenüber seinem missratenen Bruder gar nicht versteht.

Ich mache hier mal einen Punkt. Und weil so viel von Söhnen zu hören war, jetzt ein Lied der Band „Live“, in dem eine Tochter besungen wird.

Musik 4 (3‘28“): Live: Heaven (Acoustic Version), aus: unbekannt (YouTube)

You don’t need no friends
Get back your faith again
You have the power to believe
Another dissident
Take back your evidence
It has no power to deceive
I’ll believe it when I see it for myself
I don’t need no one
To tell me about heaven
I look at my daughter, and I believe
I don’t need no proof when it comes to God and truth
I can see the sunset and I perceive
I sit with them all night
Everything they say is right
But in the morning they were wrong
I’ll be right by your side
Come hell or water high
Down any road you choose to roam

I’ll believe it when I see it for myself
I don’t need no one to tell me about heaven
I look at my daughter, and I believe
I don’t need no proof when it comes to God and truth
I can see the sunset and I perceive, yeah
Darling, I believe, Oh Lord
Sometimes it’s hard to breathe, Lord
At the bottom of the sea, yeah, yeah
I’ll believe it when I see it for myself
I don’t need no one to tell me about heaven
I look at my daughter, and I believe
I don’t need no proof when it comes to God and truth
I can see the sunset and I perceive
I don’t need no one to tell me about heaven
I look at my daughter, and I believe
I don’t need no proof when it comes to God and truth
I can see the sunset
I don’t need no one, oh
To tell me about heaven
I believe it, yeah

Autor: (2‘35“)

Der Feiertag heute heißt eigentlich „Christi Himmelfahrt“ – für viele ist das aber der „Vatertag“. Eben bin ich eine Reihe von Vatergestalten in der Bibel abgeschritten, und diese Reihe ist durchzogen von mehr Schatten als Licht. Darauf hinzuweisen, ist mir wichtig. Denn: In meiner christlichen Religion beginnt das wichtigste Gebet, mit dem der Gläubige sich an Gott wendet, mit „Vater unser“. Da ist es schnell passiert, dass die irdische Vaterliebe als Abglanz der himmlischen Vaterliebe überhöht wird.

Schön, wenn es so ist, aber darauf verlassen kann sich ein Kind – leider – nicht.

Ich war eben bei Jesus angekommen. Wenn auch sein Irgendwie-Vater Josef ziemlich schnell keine Rolle mehr spielt – so redet Jesus doch ununterbrochen vom Vater.

Von Gott als seinem Vater, unser aller Vater im Himmel. Den nennt er „Abba“. Das klingt nicht nur so ähnlich wie „Pappa“. Das ist auch die richtige Übersetzung: Abba – Pappa. Jesus hat ein ganz spezielles Verhältnis zu diesem Vater. Das geht bis zur völligen Identifikation mit ihm: „Er und ich sind eins.“

Dieses Verhältnis ist der Dreh- und Angelpunkt, der Haltepunkt seiner Botschaft: Vater unser im Himmel. Folgerichtig, dass Jesus zu ihm zurückkehrt, auf Himmelfahrt geht. Vatertag, höchstes Glück, endlich da, wo er sich hin sehnt: zur Rechten, an der Seite des Vaters. Im Himmel.

Es ist verführerisch, das Verhältnis von Jesus zu seinem Vater im Himmel auf irdische Verhältnisse zu übertragen. Wer Vater ist, hat den Blick seines Kindes vielleicht in Erinnerung: du bist der, mit dem ich zusammen sein will. Mein Vater.

Und auch wer nie selbst Vater gewesen ist, kann sich vielleicht an ein frühes, tiefes Gefühl erinnern, an beglückende Momente zeitloser Nähe zum eigenen Vater. Oder auch nur an die nie gestillte Sehnsucht danach, die als nicht gut zu machende Wehmut in der eigenen Seele tief verschlossen ist.

Zum Erwachsenwerden, auch zum Erwachsenwerden im Glauben, gehört, die vielen Spielarten der Liebe Gottes zu erfahren, zu lernen.

Die Botschaft Jesu vom „Vater im Himmel“, seinem Pappa, erinnert daran, dass die Begegnung mit dem eigenen Vater offensichtlich eine ganz wichtige Erfahrungsebene ist, wo kleine und große Menschen den Abglanz der Liebe Gottes wirklich spüren können. Können, nicht müssen.

Nun ließe sich das noch auf die Mütter ausdehnen. Aber das ist das Thema des kommenden Sonntags, dem Muttertag.

Musik 5 (5‘36“): John Lennon: Mother, aus: Plastic Ono Band (1970)

Mother, you had me but I never had you
Oh-oh-oh, I wanted you, you didn’t want me
So I, I gotta tell you
Goodbye, goodbye

Mother, you left me but I never left you
Oh-oh-oh, I needed you, you didn’t need me, oh no
So I, I gotta tell you
Goodbye, goodbye

Children, don’t do what I have done
Oh-oh-oh, I couldn’t walk, I tried to run
So I gotta tell you
Goodbye, goodbye

Mother, you had me but I never had you
Oh-oh-oh, I wanted you, you didn’t want me
So I gotta tell you
Goodbye, goodbye

Mama, don’t go
Daddy, come home
Mama, don’t go
Daddy, come home