Aasgeier
Adler sind faszinierende Tiere. Groß, majestätisch, wunderschön.
Das erste Mal habe ich einen in den USA in freier Wildbahn gesehen.
Und ich hab‘ nicht schlecht gestaunt, wie er da oben am Himmel kreist.
Wirklich frei. Absolut unabhängig. Und gefährlich.
In der Bibel heißt es:
Ein Adler lässt seine Jungen aus dem Nest ausfliegen. Wachsam kreist er über ihnen und schützt sie. So hat Gott seine Flügel ausgebreitet, sein Volk aufgefangen und getragen.
Und viele Stellen schließen sich dem Vergleich an:
Gott als der große, majestätische, wunderschöne Adler, der uns auf seinen Fittichen trägt und Schutz gibt, auffängt und hoch oben am Himmel fliegt.
Aber mittlerweile ist man sich fast sicher: Das ist ein Übersetzungsfehler. Wahrscheinlich ist in der Bibel gar nicht die Rede von Adlern.
Sondern in Wahrheit von Geiern.
Sie haben richtig gehört:
Eines dieser Viecher mit nacktem Hals und kahlem Kopf,
mit schlechtem Ruf und unappetitlichen Essgewohnheiten.
Aber während der Adler wirklich frei ist, sich schnell unabhängig macht und für viele andere Tiere ein gefährlicher Räuber ist, pflegen die Geier ein etwas ausgedehnteres Familienleben.
Die Elterntiere brüten gemeinsam. Sie sorgen gemeinsam für Futter und hegen und pflegen den Nachwuchs fast 4 Monate lang, bis die Kleinen Küken wirklich flügge werden. Abgesehen davon haben Geier im Schnitt auch die deutlich größeren Flügel, um ihre Jungen
vor Wind und Wetter zu beschützen.
Welcher Gott ist Ihnen also lieber? Der Schöne, Unabhängige und der Gefährliche?
Oder der, der sich kümmert und sorgt – selbst, wenn er dabei eine Glatze hat?