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Von richtigen und falschen Momenten

„Ich warte noch auf den richtigen Moment“, sage ich oft zu mir.

Diese eine Gelegenheit, an der ich es endlich sagen kann.

Diese einen Situation, in der ich es endlich wagen kann.

Laut auszusprechen, was mir schon so lange auf dem Herzen liegt.

Das geheime „Ich liebe dich.“

Das aufgestaute „Ich verlasse dich.“

Das aufgeschobene „Morgen wird alles anders.“

Aber die Tage kommen und gehen. Und der richtige Moment kommt einfach nicht. Stattdessen werden die falschen Momente immer mehr und mehr. Und ich schaue hilflos dabei zu und warte weiter auf meine Gelegenheit. Bis es irgendwann dann doch zu spät ist.

Als Jesus einmal auf einer Hochzeit eingeladen ist, da fordert seine Mutter ihn auf: Der Wein ist leer. Verwandle doch das Wasser in neuen Wein. Aber Jesus sagt: Nein, jetzt ist nicht der richtige Moment dafür. Meine Zeit ist noch nicht gekommen.

Schließlich macht er es aber trotzdem. Im falschen Moment tut er das Richtige. Aus Wasser wird Wein. Aus zu wenig wird genug und die Feier kann weitergehen. Der falsche Moment war letztlich genau der Richtige.

Wasser zu Wein, das kriege ich nicht hin.

Aber vielleicht kann auch ich im falschen Moment das Richtige tun.

Was sagen Sie – wagen wir es heute?

Geben wir all den falschen Momenten heute die Chance, doch noch genau zu den Richtigen zu werden, auf die wir so lange gewartet haben.

Bevor es am Ende vielleicht schon zu spät ist.