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Dein Jahr für Deutschland

„Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt.“ Dieser berühmte Satz von John F. Kennedy könnte Pate gestanden haben für den neuen Freiwilligendienst in der Bundeswehr: Dein Jahr für Deutschland. Sieben Monate lang sollen bis zu 1000 junge Leute militärisch ausgebildet werden und dann, verteilt auf einige Jahre, insgesamt weitere fünf Monate als Reservisten im Heimatschutz dienen. Im April nächsten Jahres soll’s los gehen. Ich finde das gut.

Das tun beileibe nicht alle. „Dein Jahr für Deutschland“ führe zu einer Militarisierung der Gesellschaft, sagen manche. Ich glaube, das Leitbild vom Soldaten als Staatsbürger in Uniform wird durch den neuen Freiwilligendienst in der Bundeswehr wieder deutlicher erkennbar werden. Es wird also eher zu einer Zivilisierung des Militärischen kommen.

Der neue Freiwilligendienst sei der Einstieg in die Wiedereinführung des Wehrdienstes, befürchten andere. Ich hoffe, „Dein Jahr für Deutschland“ wird der Einstieg in eine allgemeine Dienstpflicht. Ich bin überzeugt, dass wir die brauchen. Für den Gemeinsinn in unserer Gesellschaft.

Die Kritiker sagen, eine allgemeine Dienstpflicht sei nicht verfassungsgemäß. Niemand dürfe ohne zwingende Gründe zu einem Pflichtdienst herangezogen werden. Ich finde, der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft ist ein zwingender Grund. Ich sehe keine unüberwindbaren Hindernisse für eine allgemeine Dienstpflicht. Natürlich geht das. Wenn wir’s wollen.

Das alles braucht es gar nicht, sagen viele. Es wäre viel besser, die Freiwilligendienste, die es bereits gibt, aufzuwerten und attraktiver zu machen. Kostenlose Bahntickets wie für Soldaten. Ein Bonus bei der Vergabe von Studienplätzen. Und natürlich besser bezahlen. Ähnlich gut, wie „Dein Jahr für Deutschland“ bezahlt werden soll.

Das klingt alles gut, ist auch richtig, übersieht aber doch Wesentliches. Von den rund 100.000 Menschen, die jedes Jahr einen der bisherigen Freiwilligendienste leisten, sind die meisten Deutsche ohne Migrationshintergrund und mit einem höheren Schulabschluss. Von Herzen danke für diesen Dienst – aber für eine solidarische und integrative Gesellschaft brauchen wir alle. Gerade auch die jungen Menschen mit Migrationshintergrund.

Deshalb: Ihr jungen Leute! Fragt nicht nur was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft tun könnt. Wir brauchen euch alle.

 

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