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Sardinen zu Weihnachten

Wie die Sardinen wollen sie sein: Zigtausende Italienerinnen und Italiener. Dicht an dicht stehen sie seit einigen Wochen immer wieder auf den großen Plätzen italienischer Städte. Wie in einem Sardinenschwarm eben. Sie rücken zusammen gegen Hass und Aggression, die die Gesellschaft vergiften. Vor allem geschürt von der fremdenfeindlichen Partei „Lega“.

Ihr Protest ist friedlich und fröhlich. Und überparteilich. Sie schwenken keine Parteifahnen. Sie singen gemeinsam und halten selbstgebastelte Papierfische in die Höhe. Mit Pappfischen gegen Populismus.

„Was hast du gegen Populismus?“, fragt mich ein Bekannter. „Das heißt doch nur: dem Volk entsprechend.“ „Nein“, sage ich, „das wäre populär. Populär ist o.k. Aber Populismus ist immer Stimmungsmache. Und es ist immer Stimmungsmache gegen… Gegen Menschen. Deshalb trägt der Populismus zumindest den Keim des Hasses immer schon in sich.

Nicht nur die italienische Gesellschaft wird durch Hass vergiftet. Es passiert überall. Auch bei uns in Deutschland. Da wäre nun viel aufzuzählen. Ich will nur eines nennen. Immer mehr Kommunalpolitikerinnen und –politiker geben auf, weil sie ständig angefeindet und bedroht werden und es nicht mehr ertragen. Und das ertrage ich nicht mehr. Deshalb wünsche ich mir zu Weihnachten, dass der Schwarm der Sardinen über die Alpen schwappt.

Es ist an der Zeit, zusammenzurücken; dicht an dicht zusammenzustehen gegen die Vergiftung unserer Gesellschaft durch Hass.

Übrigens passiert genau das an Weihnachten. Ein Viertel der Deutschen wird auf jeden Fall an einem Gottesdienst teilnehmen. Ein weiteres knappes Viertel schließt es zumindest nicht aus. Millionen von Menschen kommen zusammen, um zu feiern, dass Gott Frieden gemacht hat mit uns, indem er unser Leben teilt. Das ist die stärkste Botschaft gegen den Hass. Millionen rücken an Weihnachten zusammen und singen mit den Engeln selbst: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.