Wald
Im Wald, da sind die Räuber. Auch die Hexe hat da ihr Häuschen. Der Wald ist unheimlich. War es jedenfalls in vergangenen Zeiten. Davon künden unsere alten Märchen und Mythen.
Dass der Wald zum Sehnsuchtsort der Deutschen wurde, das kam erst mit der Romantik. Das städtische Bürgertum sehnte sich nach Natur, nach dem Wald. „O Täler weit, o Höhen,/ O schöner, grüner Wald, / Du meiner Lust und Wehen / Andächtger Aufenthalt!“ So dichtet 1810 Josef von Eichendorff. Der Waldspaziergang wird zur spirituellen Erfahrung.
Obwohl, so neu war das nicht. Schon in der alten germanischen Mythologie ist der Wald der Ort der Götterverehrung. Zentrales Heiligtum zu Ehren des Gottes Thor war die Donar-Eiche.
Für das Christentum war das ein Graus. Demonstrativ fällte deshalb Bonifatius, der Missionar der Germanen, 723 die Donar-Eiche bei Geismar im heutigen Hessen. Es sollten keine Götter mehr in Bäumen verehrt werden, sondern Christus am Stamm des Kreuzes. Auch wenn dieser Kampf mit, aus heutiger Sicht, unmöglichen Mitteln geführt wurde, so war es doch ein Kampf zwischen Opferkult bis hin zu Menschenopfern einerseits und andererseits dem Glauben an den einen Gott, der sagt: „Eure Opfer will ich nicht. Ich will Euer Vertrauen“.
Eine gewisse Skepsis gegenüber der Waldeslust ist in den Kirchen hie und da noch lebendig. So haben z.B. beide große Kirchen erst seit wenigen Jahren zu einem positiven Verhältnis zur Beisetzung von Urnen im Friedwald gefunden. Manchen galt der Friedwald als Einfallstor für neuheidnische, zumindest aber esoterische Vorstellungen. Vielleicht ja nicht immer ganz zu Unrecht. Aber deshalb fällt heute keiner mehr einen Baum.
Ich bin gerne und oft im Wald. Und, ja, ich habe da auch andächtige Aufenthalte. Festzuhalten ist aus christlicher Sicht aber doch: Wie Gott ist, erkenne ich nicht in den Bäumen, sondern am Kreuz Christi.