Jenseits von Eden
Jenseits von Eden – das ist nicht nur der Titel eines alten Schlagers und eines noch älteren Filmes. Das ist auch die exakte Beschreibung unserer aktuellen Situation.
Wir leben „jenseits von Eden“. Aus dem Garten Eden, dem Paradies, sind wir längst vertrieben. Wir kommen da auch nicht mehr rein. Das Tor ist zu. Erzählt jedenfalls die Bibel.
Als ich zur Welt kam, vor noch nicht ganz 60 Jahren, da gab es gut drei Milliarden Menschen. Die haben gereicht, um den Planten ganz schön in Stress zu bringen. In wenigen Jahren werden es acht Milliarden sein. Und es werden noch viel mehr werden. Der Stress nähert sich dem Kollaps. Sagen jedenfalls immer mehr Naturwissenschaftler.
Der Weltbiodiversitätsrat, da sitzen die Fachleute für weltweite Artenvielfalt, veröffentlichte dieser Tage erschreckende Zahlen. Das von uns Menschen verursachte Sterben der Arten bedroht unsere Lebensgrundlagen. Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen. Und wir sägen schnell.
Manche sagen, das sei doch alles bloß Alarmismus. Ich wünschte, es wäre so. Die Fachleute sagen: „Wir müssen umsteuern. Und das schnell.“
Ein Preisschild an CO2, Flugbenzin endlich besteuern, Agrarwende, Verkehrswende, kein Plastik mehr und so weiter. Und sie haben Recht.
In den Zielen sind wir uns ja einig, sagen die Kritiker. Wir wollen alle eine intakte Umwelt. Aber Gesetze und Verbote sind nicht das richtige Mittel. Wir müssen die Menschen mitnehmen, sie überzeugen, auf Einsicht und Freiwilligkeit setzen. Ja. Wenn‘s funktioniert. Wenn nicht, kommt man an die Grenzen der Freiwilligkeit. Um ein Beispiel zu nennen: Wir belassen es ja auch nicht dabei, die Autofahrer zu bitten, vor dem Kindergarten langsam zu fahren, sondern wir setzen ein Tempo-30-Schild hin. Jenseits von Eden braucht man solche Regeln. Freiheit besteht auch darin, Regeln zu akzeptieren.
Dazu sind wir Menschen, nach meiner Erfahrung, auch bereit – wenn es gerecht zugeht. Das gilt auch für Umwelt und Klima und Artenschutz. Dafür zu sorgen ist Aufgabe der Politik. Bald sind wieder ja Wahlen.
Wir leben „jenseits von Eden“. Aus dem Paradies sind wir längst vertrieben. Wir kommen da auch nicht mehr rein. Das Tor ist zu. Aber wenn wir uns vernünftige Regeln geben, dann lässt es sich vor den Pforten des Paradieses auch gut leben.