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Grenzwerte

Da musste ich doch lachen. Die Kanzlerin schlägt vor,
Fahrverbote für Dieselautos in deutschen Städten zu verhindern,
indem eine gewisse Überschreitung der Abgas-Grenzwerte
gesetzlich toleriert wird. Bei einer geringfügigen Überschreitung
der Grenzwerte seien Fahrverbote unverhältnismäßig. Statt der
erlaubten 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft
sollen deshalb maximal 50 Mikrogramm erlaubt sein. Geringfügig
heißt also, wenn ich richtig rechne, bis zu 25%.

Ich stelle mir vor, ein Autofahrer, der mit zu viel Alkohol im Blut
erwischt wurde, würde gegen den Führerscheinentzug klagen,
weil der bei einer geringfügigen Überschreitung der Grenzwerte
um 25% unverhältnismäßig sei.

Zugegeben, der Vergleich ist natürlich schräg. Aber das ist der
Vorschlag der Kanzlerin auch. Und dieser schräge Vorschlag ist,
befürchte ich, nicht nur dem Wahlkampf in Hessen geschuldet.
Vielmehr vertritt die Politik einmal mehr Eins zu Eins die
Interessen der Automobilindustrie.

Ich verstehe ja das Problem. Fahrverbote sind der politische
Super-Gau. Aber mit Tricksereien an den Abgas-Grenzwerten
wird man das Problem nicht lösen. Das hat bei den Autobauern
nicht geklappt, das klappt in der Politik auch nicht.
Um Fahrverbote zu verhindern, muss die Politik endlich den
Druck auf die Autobauer erhöhen, alte Diesel auf ihre Kosten so
nachzurüsten, dass sie die Grenzwerte einhalten. Möglich ist das
allemal.
Hinzu kommt, dass die Verkehrswende endlich vorangetrieben
werden muss. Jeden Tag muss ich rund 100 Kilometer im
Berufsverkehr von St. Wendel nach Saarlouis und retour fahren.
Ich fahre gerne Auto, aber für diese Strecke wünschte ich mir
wirklich eine Alternative dazu. Das Angebot der öffentlichen
Verkehrsmittel ist auf dieser Strecke schlicht nicht zumutbar.

Letztlich ist alles nur eine Frage des politischen Willens.
Damit sind wir auch bei uns. So lange wir das Auto brauchen, um
mal eben zum Imbiss zu fahren und einen Coffee to go im
Plastikbecher zu kaufen, brauchen wir nicht darüber zu klagen,
dass Industrie und Politik nicht in der Lage sind, für die
Einhaltung der Grenzwerte zu sorgen. Und so stellt die
Diskussion um Abgas-Grenzwerte letztlich uns allen eine
wichtige Frage: Was sind eigentlich unsere Werte? Und wo sind
ihre Grenzen?