Schule der Solidarität
„Eine Schule der Brüderlichkeit“ nennt der französische Präsident, Emmanuel Macron, die allgemeine Dienstpflicht, die er für alle Jugendlichen einführen möchte. Ein Thema, über das auch in anderen Ländern diskutiert wird. Zum Beispiel in Italien und nicht zuletzt auch bei uns in Deutschland. „Allgemeine Dienstpflicht“ – offensichtlich ist das mehr als eine Schlagzeile für das Sommerloch. Mit dem Thema ist vielmehr ein gesellschaftlicher Nerv getroffen. Die Mehrheit der Deutschen ist dafür. Die Menschen sind sicher: Es würde unseren Jugendlichen gut tun, einige Monate lang einen Dienst für die Gesellschaft zu leisten; in einer sozialen oder kulturellen Einrichtung, in der Bundeswehr, beim Technischen Hilfswerk oder wo auch immer. Und was gut für die Jugendlichen wäre, wäre gut für uns alle. Zu Recht wird heute beklagt, dass die verschiedenen gesellschaftlichen Milieus immer weniger miteinander zu tun haben; dass der Ton der politischen Auseinandersetzung immer gehässiger wird; kurz, dass unsere Gesellschaft immer weniger solidarisch ist, dass sie auseinanderdriftet. Dass wir da gegensteuern müssen, darin sind sich alle einig. Aber braucht es dazu eine „allgemeine Dienstpflicht“? Nein, sagen die Kritiker. Und sie haben gute Argumente. Das Letzte, was die Bundeswehr derzeit bräuchte, wären mehrere Hunderttausend Rekruten pro Jahr. Eine allgemeine Dienstpflicht dürfte auch nicht dazu missbraucht werden, im sozialen Bereich Stellen zu streichen und Löhne zu drücken. Und ja: Verfassungsrechtlich wäre eine allgemeine Dienstpflicht gar nicht so einfach umzusetzen. Die Kritiker setzen deshalb auf den Freiwilligendienst. Immerhin, in manchen Bundesländern macht die Hälfte der Jugendlichen einen freiwilligen sozialen oder ökologischen Dienst. Darunter allerdings kaum Real- und Hauptschüler, so gut wie keine Jugendlichen mit Migrationshintergrund.Dem Auseinanderdriften der Gesellschaft wird so gerade nicht begegnet. Deshalb bin ich für eine allgemeine Dienstpflicht. Die organisatorischen und rechtlichen Fragen kann man lösen. Entscheidend ist: Wir brauchen eine Schule der Solidarität.