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Trotz

„Ich will aber Gummibärchen!“ – dieser Satz an der Supermarktkasse ist ein Klassiker im Familienalltag. Ein trotziges Kind, genervte Eltern, eine unangenehme Situation. In diesem Trotz steckt für mich etwas Wichtiges. Denn hinter dem „Ich will!“ verbirgt sich die Frage: „Wer bin ich, und was will ich eigentlich?“

Trotz hat keinen guten Ruf. Er gilt als kindisch, unbequem und störend. Im Laufe unseres Lebens lernen wir, höflicher zu sein, Rücksicht zu nehmen und unsere Wünsche besser zu kontrollieren. Das ist für unser Umfeld oft angenehmer. Aber manchmal frage ich mich: Kontrolliere ich mich vielleicht zu gut?

Denn wer nie widerspricht, wer immer nachgibt und stets den vermeintlich einfacheren Weg wählt, verliert leicht den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen. Ein wenig Trotz kann deshalb etwas sehr Wertvolles sein. Er kann mir helfen, Grenzen zu setzen, für meine Überzeugungen einzustehen und Veränderungen anzustoßen.

Natürlich braucht Trotz Maß und Ziel. Es geht nicht darum, meinen Willen rücksichtslos durchzusetzen. Aber es geht darum, meine eigene Stimme nicht zu verlieren.

Und auch der Trotz anderer kann eine Chance sein. Er ist oft unbequem, manchmal anstrengend. Doch vielleicht steckt darin ein Hinweis, dass etwas gesehen, gehört oder verändert werden möchte. Viele Entwicklungen beginnen mit einem Menschen, der sagt: „Nein, so nicht!“