Radiokirche “Die vier Elemente”, 2. Wasser, Ev. Kirche am Lorenzberg, SB-Schafbrücke
Eine Radiokirche zum Thema „Wasser – Schwimmen“ aus der Evangelischen Kirche am Lorenzberg in Saarbrücken-Schafbrücke. Die Texte: Kim Ahrend, Franziska Bauer, Veronika Kabis und Jörg Metzinger. Musik: Thomas Layes am Flügel.
VK: Mir ist aufgefallen, dass in den letzten Jahren viele Bücher über das Schwimmen erschienen sind. Ich denke etwa an „Wasserzeiten“ von Kristine Bilkau oder die Erzählbände von John von Düffel über das Wasser und das Schwimmen. Was denkt ihr, woran das liegt?
FB: Ich glaube, viele Menschen suchen einen Ausgleich zur digitalen Welt. Beim Schwimmen gibt es keine Bildschirme, sondern alles konzentriert sich auf Körper, Atem und Bewegung. Das Wasser ist ein Element, das uns ganz unmittelbare, echte Erfahrungen machen lässt.
KA: Und deshalb wird darüber geschrieben?
FB: Auch. Gleichzeitig ist das sogenannte Nature Writing populär geworden. Schwimmen verbindet Menschen mit Seen, Flüssen oder dem Meer. Darüber lässt sich wunderbar philosophieren.
VK: Also geht es meist um mehr als nur Sport?
FB: Genau. Schwimmen kann für Freiheit, Veränderung oder Ruhe stehen. Deshalb eignet es sich für persönliche und philosophische Geschichten.
KA: Hat die Pandemie den Trend verstärkt?
FB: Wahrscheinlich. Viele Menschen suchten Erholung in der Natur. Dadurch gewann auch das Schwimmen an Bedeutung.
VK: Dann erzählen diese Bücher eigentlich von einer Sehnsucht nach Entschleunigung und Natur?
FB: Genau. Das Schwimmen ist dabei oft nur der Ausgangspunkt. Ich denke, das Interesse an Schwimmbüchern ist weniger ein Interesse am Sport selbst als an einer Sehnsucht nach Unmittelbarkeit, Naturerfahrung und einem anderen Zeitempfinden in einer zunehmend digitalen Welt.
VK: Spannend finde ich, dass neben dem Schwimmen im Meer oder in Seen auch das Schwimmen in Hallenbädern oder Freibädern in den Mittelpunkt des Schreibens gerückt ist.
KA: Richtig. Besonders populär ist ja das Buch „22 Bahnen“ von Caroline Wahl geworden, aber auch Julie Otsuka singt in ihrem Roman „Solange wir schwimmen“ ein Loblied auf das Bahnenschwimmen. Bei ihr sind es sogar 68 Bahnen.