Vergebung
Von Menschen verletzt zu werden tut weh. Und manchmal lassen mich diese Verletzungen einfach nicht los.
Dann kommen Rachegedanken und ich merke: Nachtragend zu sein belastet vor allem mich selbst.
In einem Seminar habe ich dazu ein eindrückliches Bild erlebt.
Ich musste hinter der Referentin herlaufen. Sie drehte sich um, beleidigte mich und warf mir jedes Mal ein Paket zu.
„Du bist eine Null!“ – ein Paket.
„Du bist zu nichts zu gebrauchen!“ – noch ein Paket.
„Aus dir wird sowieso nichts!“ – wieder ein Paket.
Ich fing alles auf und schleppte es mit mir herum.
Da wurde mir klar: Wenn ich jemandem etwas nachtrage, trage ich die Last allein. Der andere merkt oft überhaupt nichts davon.
Wie oft habe ich das schon getan – manchmal nur ein paar Tage, manchmal über Monate hinweg.
Dabei zwingt mich niemand dazu.
Vergeben heißt nicht, das Verhalten des anderen gutzuheißen. Es heißt auch nicht, ihm einen Gefallen zu tun.
Es bedeutet nur: Ich bin nicht länger bereit, seine Schuldpakete mit mir herumzutragen.
Ich übergebe sie Gott und sage: Kümmere du dich darum.
Das tut vor allem mir gut.
Vielleicht fordert Jesus deshalb so beharrlich zur Vergebung auf. Nicht zuerst um des anderen willen, sondern damit wir selbst frei werden.