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Gewollt

Der Kopf dröhnt, das Fieber steigt, der Körper signalisiert ganz klar „Stopp“. Aber Sie sitzen trotzdem am Schreibtisch. Sie stehen an der Maschine, an der Kasse, im Klassenzimmer.

Sie sind damit nicht allein. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland hat sich im letzten Jahr trotz Krankheit zur Arbeit geschleppt. Und was diskutieren wir öffentlich? Ob wir zu oft „blaumachen“. Da läuft etwas gewaltig schief.

In den Reformdebatten wird viel zu selten gefragt: Wozu machen wir das alles eigentlich? Wirtschaft, Arbeit – was ist das Ziel? Ich dachte immer: dass möglichst viele Menschen gut leben können. Und dazu gehört für mich, dass ich nicht bis zum Umfallen arbeiten muss, sondern auch mal krank sein darf. Mich ausruhen kann ohne schlechtes Gewissen.

In der Bibel gibt es dafür eine uralte Idee: der Sabbat. Ein Tag in der Woche, an dem alles ruht. Das Revolutionäre daran: wirklich alle. Chefin und Knecht, Herr und Magd, Fremde wie Einheimische, sogar das Lasttier. Ein Tag, an dem niemand über seine Leistung definiert wird. Eine eingebaute Grenze. Bis hierhin darf die Arbeit dein Leben bestimmen, und nicht weiter. Das ist über dreitausend Jahre alt. Vielleicht das älteste Sozialgesetz der Menschheit.

Als man Jesus vorwarf, er nehme diesen Tag nicht ernst genug, sagte er: „Der Sabbat ist für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.“ Selbst die beste Ordnung hat also nur ein Ziel: dass der Mensch lebt.

Das heißt für Sie, egal wie Ihr Tag war: Ihr Wert steht nicht in Ihren Rentenpunkten. Nicht in Ihrer Krankenakte. Nicht in Ihrer Produktivität. Ihr Wert ist einfach da, bedingungslos, bevor Sie je etwas geleistet haben.

Reformen müssen sich daran messen, ob am Ende mehr Menschen in dieser Würde leben können. Und sich nicht mehr mit Migräne durch einen Arbeitstag schleppen aus Angst, als wertlos aussortiert zu werden.

Einige politische Entscheider*innen sind dabei, bei Erschöpften und Schwachen den Rotstift anzusetzen. Und denen, die viel haben, die viel leisten können, gibt man noch mehr. Das ist nicht gut für unser Zusammenleben.

Darum heute, direkt an Sie: Sie sind wertvoll. Ob sie heute früher nach Hause sind, erschöpft, mit Migräne. Oder Überstunden gemacht haben. Sie sind wertvoll, einfach weil Sie da sind.