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Blenden

„Sie blenden das ganze Dorf!“ – der Ruf trifft mich aus dem Nichts.

Ich strample gerade die Hauptstraße hoch, es ist stockfinster. Wer war das? Ein älterer Herr, der gerade seine Mülltonne an den Rand schiebt. „Ihr Licht ist viel zu hoch!“, schimpft er. „Sie blenden hier jeden!“

Ganz ehrlich? Im ersten Moment bin ich genervt. Echt jetzt? Als ob hier abends der Bär steppt und ich mit meiner kleinen Funzel Heerscharen von Autofahrern blind mache. Am liebsten würde ich einfach weiterfahren. Aber irgendwie … geht das nicht.

Ich steige also ab, biege die Lampe ein Stück runter. Er schaut mir dabei genau auf die Finger. „Nee, jetzt ist sie zu tief, da sehen Sie ja selbst nichts mehr!“, korrigiert er mich – und siehe da: Sein Ton wird plötzlich fast schon fürsorglich. Ich justiere nach, fahre eine kleine Testrunde und komme strahlend auf ihn zu. „Ja“, sagt er und nickt, „so passt es.“

Ich bedanke mich für seine Aufmerksamkeit und radle weiter. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr mag ich diesen „selbsternannten Sheriff“. Eigentlich hat er ja für uns alle gehandelt: Damit keiner geblendet wird, aber auch, damit ich sicher nach Hause komme.

In meiner Familie ist die Geschichte mittlerweile Kult. Immer wenn bei uns jetzt abends einer aufs Rad steigt, heißt es nur noch: „Bis gleich – ich bin dann mal kurz das Dorf blenden!“