Frieden
„Was ist eigentlich Frieden?“, hat mich vor kurzem meine fünfjährige Großnichte gefragt. Sie hatte beim Spielen Wortfetzen aus den Radionachrichten aufgeschnappt.
Ich habe kurz nachgedacht und gesagt: „Frieden ist zum Beispiel, wenn man nicht immer recht haben muss.“
Ihre Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Dann haben die Oma und Du aber keinen Frieden!“
Im ersten Moment war ich absolut sprachlos. Dann musste ich lachen. „Stimmt“, habe ich gesagt. „Die Oma und ich diskutieren oft. Und meistens geht es genau darum: Wer Recht hat.“
„Nein, Du erinnerst Dich falsch“, sagt dann meine Mutter. Und ich widerspreche ihr: „Das ist mein Beruf, da kenne ich mich wirklich aus.“
Dabei weiß ich es doch eigentlich besser. Unser Gedächtnis ist ja keine Videokamera, die alles fehlerfrei mitschneidet. Wir interpretieren Situationen, bauen Ungenauigkeiten und Fehler in unsere Erinnerungen ein. Ohne es zu merken.
Vielleicht meint Jesus genau das, wenn er in der Bibel sagt: „Selig sind die Sanftmütigen.“
Für mich bedeutet das ganz praktisch: Auch mal fünfe gerade sein lassen. Nicht immer das letzte Wort haben müssen.
Das ist gar nicht einfach. Besonders bei Themen, die mir am Herzen liegen.
Aber meine kleine Großnichte hat recht: Kindermund tut Wahrheit kund. Sie hat mich echt nachdenklich gemacht.
Vielleicht beginnt Frieden genau da. In dem Moment, in dem ich mich selbst frage:
Geht es mir gerade um die Sache – oder nur ums Rechthaben?