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Die Wand

Im August ist es wieder so weit: Ich packe meine Sachen und fahre mit einem Team aus unserer Gemeinde nach Rumänien. Unser Ziel ist ein Kinderdorf für Waisenkinder. Dort gibt es immer was zu tun – Zimmer renovieren, Häuser streichen. Das machen wir schon seit vielen Jahren so.

Früher haben die Kinder uns nur neugierig zugeschaut. Aber die Kleinen von damals sind inzwischen Jugendliche geworden, die richtig mit anpacken wollen. Letztes Mal habe ich einem der Jungs einen Eimer Farbe und einen Pinsel in die Hand gedrückt und ihm gezeigt, wie man einen Wandsockel streicht.

 

Nach einer halben Stunde habe ich nachgesehen, ob er zurechtkommt. Da war dann nicht nur der Sockel, sondern auch der Junge ordentlich gestrichen.

„Du sollst doch die Wand streichen und nicht dich selbst“, habe ich lachend gesagt.

Darauf bekam ich die Antwort: „Ich streiche ja die Wand, aber die Wand streicht auch mich!“

Dieses Bild, das geht mir nicht mehr aus dem Kopf:

„Ich streiche die Wand, aber die Wand streicht auch mich!“ Da tue ich etwas und es macht etwas mit mir!

 

Klar, man kann einfach Geld spenden – das ist wichtig und gut. Aber wenn du selbst anpackst, wenn du Zeit schenkst und den Menschen begegnest, dann wird das Spuren hinterlassen. Du gibst nicht nur etwas, du bekommst etwas zurück.

Wir kommen von diesen Einsätzen jedes Mal ein bisschen „angestrichen“ nach Hause – mit einem neuen Blick auf das, was im Leben wirklich zählt.