Dumb-Phone
Werden wir immer dümmer? „Ja“, sagt der Soziologe Hartmut Rosa. „Seitdem es IQ-Tests gibt, mussten die Aufgaben immer schwerer gemacht werden, damit der Durchschnitt der Bevölkerung bei 100 liegt“. Seit einigen Jahrzehnten „müssen die Aufgaben aber alle fünf Jahre leichter gemacht werden“. Wir werden dümmer. Und zwar „ziemlich genau seit der Einführung des Internets.“ Das überrascht dann schon. Vergessen wir mal den ganzen Schund im Internet. Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit war so viel Wissen für so viele Menschen jederzeit verfügbar. Warum werden wir dann dümmer? Weil die Welt und wir uns nicht mehr wechselweise durchdringen, sagt der Soziologe. Wir erleben die Welt vielfach nicht mehr. Wir konsumieren sie. Wir tragen mit unseren Smartphones die ganze Welt permanent mit uns herum. Aber wir sind nicht in ihr. Sie steht uns auf kleinen Bildschirmen gegenüber.
Natürlich können wir hinter Internet und Smartphone nicht zurück. Ich will auch nicht. Sie bieten ja fantastische Möglichkeiten. Interessant ist aber: Immer mehr gerade junge Leute entscheiden sich bewusst gegen Smartphones und die Allgegenwart des Internets und für einfache Handys. Dumb-Phones werden die ironisch genannt, dumme Handys. Mit denen kann man nur telefonieren und SMS schreiben. Sie versprechen sich davon: reduzierte Erreichbarkeit, weniger Social-Media-Stress, Schluss mit der ständigen Informationsflut. Bessere soziale Beziehungen. Mehr in der Welt sein. Oder anders: Weniger Dummheit.
Klingt schon gut. Vielleicht probier‘ ich’s einfach mal. Denn eines will ich auf keinen Fall: noch dümmer werden.